Fragen und Antworten zum "Tag der gesunden Ernährung"

Am 7. März 2015 ist der 18. “Tag der gesunden Ernährung“ initiiert vom Verband für Ernährung und Diätetik (VFED). Unsere Ernährung beeinflusst stark unser Wohlbefinden und die körperliche Gesundheit. Doch in Zeiten von Diätenwahn und Light-Produkten gibt es viele Fragen zu „gesunder Ernährung"

Lebensmittelauswahl
In Deutschland herrscht die Qual der Wahl bei einem riesigen Angebot an Nahrungsmitteln. (Foto: IFB Adipositas)
Wie groß sollte ein Mahlzeit sein? Ein normaler Essteller kann als ungefähres Maß dienen. (Foto: IFB Adipositas)

 Wir haben Sylvia Lellwitz, Diätassistentin am IFB AdipositasErkrankungen, gebeten uns Ihre Sicht der Dinge näherzubringen.

Zwischen Biotrend und Diätenwahn ist es schwer den Überblick zu behalten. Frau Lellwitz, was bedeutet eine gesunde Ernährung für Sie im Allgemeinen?

Eine gesunde Ernährung beinhaltet eine ausgewogene Auswahl an Lebensmitteln. Diese sollten abwechslungsreich und natürlich sein, also so wenig wie möglich vorbehandelt. Menü-Rezepte sollten sich hauptsächlich aus regionalen und saisonalen Zutaten zubereiten lassen. Zu einer gesunden Ernährung gehören täglich ein bis zwei Portionen Gemüse und frisches Obst sowie Milchprodukte wie Joghurt, Buttermilch, Käse und Quark. Eine gesunde Ernährung muss auch immer dem Grad der körperlichen Aktivitäten angepasst sein, das heißt, wenn ich mich mehr bewege, kann ich auch mehr - beziehungsweise auch mal etwas nicht so gesundes essen. Es gibt keine „schlechten“ Nahrungsmittel, sondern es kommt dabei auf die Menge und Häufigkeit des Verzehrs an. Generell sollen die Mahlzeiten schmecken und Spaß machen.

In den AdipositasAmbulanzen am Uniklinikum Leipzig werden Menschen mit starkem Übergewicht behandelt. Was sind die Hauptfragen, die diese Patienten in der Ernährungsberatung stellen?

Zu den Hauptfragen gehören zum Beispiel: Welche Lebensmittel sind „gut“ und welche „schlecht“?  Mit Hilfe welcher Lebensmittel kann ich schnell und viel abnehmen? Welche der typischen Diättipps etwa aus den Medien ist sinnvoll?

Was sind die häufigsten Fehlannahmen und Fehler unserer Patienten im Bereich Ernährung?

Häufig glauben die Patienten, dass  gesunde Ernährung teuer ist, Margarine besser ist als Butter, fettarme Lebensmittel auch immer kalorienärmer sind, oder dass Fasten immer Gewichtsverlust bedeutet. Oft schätzen sie auch den Kaloriengehalt der Lebensmittel falsch ein oder es gibt Missverständnisse bei den Lebensmittelangaben der Hersteller. Nicht selten fallen die Portionen beim Essen zu groß aus. Eine Portion Obst bedeutet zum Beispiel die Menge Obst, die in eine Hand passt. Eine Hauptmahlzeit wie etwa das Mittagessen sollte einen normalen Essteller füllen – ohne Aufhäufen oder Nachschläge. Zusätzlich wird die Bedeutung von Sport beim Abnehmen meist unterschätzt.

Zur Ernährung gehört bekanntlich auch die Flüssigkeitsaufnahme. Welche Ratschläge können Sie hier geben?

Mindestens eineinhalb bis zwei Liter sollte man täglich trinken, bei Sport und heißen Temperaturen sogar mehr. Kalorienfreie Getränke, wie ungesüßter Tee und Wasser sind besonders günstig. Menschen, denen es schwer fällt auf die empfohlene Trinkmenge zu kommen, sollten immer etwas zu trinken dabei haben; immer in Sichtweite Getränke stehen haben. Man sollte weniger aus der Flasche trinken, sondern sich ein Glas einschenken. Dadurch wird man eher animiert auszutrinken. Gut ist es, das Glas gleich wieder aufzufüllen. Mütter sollten immer mit ihren Kindern etwas trinken, denn beim Nachwuchs achten die meisten Mütter auf das Trinken und so können sie sich dies dann auch selbst angewöhnen. Regelmäßiges über den Tag verteiltes Trinken verhindert außerdem eine unruhige Nacht. Über süße Getränke wie Limo, Cola und Säfte können viele zusätzliche Kalorien aufgenommen werden und sie schaden den Zähnen. Sie erhöhen zudem schnell den Blutzuckerspiegel; deshalb lieber ungesüßte Getränke oder stark verdünnte Schorlen auswählen.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Tages der gesunden Ernährung stehen Rheuma und Gicht. Gerade Gicht kommt bei adipösen Menschen häufiger vor. Welche Ernährungsempfehlungen sollten diese Patienten beachten.

Gichtpatienten sollten auf ausgewogene, fettbewusste, saisonale Vollwertkost und  moderate Portionsgrößen achten. Sie sollten möglichst eine vegetarische Kost bevorzugen. Wichtig ist viel Gemüse, aber maximal zwei Portionen Obst pro Tag. Hülsenfrüchten, wie Erbsen, Bohnen und Linsen, sowie Soja, Kohl, Spinat, Spargel und Rhabarber sollten nicht in großen Mengen gegessen werden, maximal 50 Gramm am Tag.
Fleisch sollte nicht öfter als zwei Mal pro Woche in kleinen Portionen von rund 100 Gramm auf den Tisch kommen, am besten Muskelfleisch oder Hüftfleisch vom Rind. Ein Verzicht auf Wurstwaren jeglicher Art und Innereien ist bei Gichtpatienten ratsam. Bei Milch und Milchprodukten wird ein Fettgehalt von 1,5 Prozent empfohlen, bei Käse maximal 30 Prozent. Kefir und Buttermilch sind aufgrund des niedrigen Fettgehalts günstig. Generell müssen Patienten auf einen niedrigen Fettgehalt der Lebensmittel achten. Fetthaltige Lebensmittel beeinflussen nicht direkt den Verlauf der Gicht, sondern eher das Körpergewicht. Ein zu hohes Körpergewicht kann aber Verlauf und Ausprägung der Gicht beeinträchtigen.

Immer mehr Menschen folgen dem Trend einer vegetarischen oder sogar veganen Lebensweise. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Um sich vegan zu ernähren muss man sich mit Ernährung und den Inhaltsstoffen besonders gut auskennen, um keine Mangelerscheinungen zu bekommen. Auch bei der vegetarischen Ernährung gibt es Mineralstoffe und Vitamine, auf die geachtet werden sollte. Manche werden uns am ehesten mit Fleisch und Käse geliefert. Jede Ernährungsweise sollte vollwertig und ausgewogen gestaltet werden, um Mängel zu vermeiden. Es ist wichtig, individuelle Unverträglichkeiten zu beachten und seinen individuellen Bedarf richtig einzuschätzen. Dabei muss man zum Beispiel den eigenen Aktivitätslevel, vorliegende Krankheiten, sein Alter und Geschlecht beachten. Wir empfehlen unseren Patienten, sich an den "Zehn goldenen Regeln der  Deutschen Gesellschaft für Ernährung“ zu orientieren.

Weitere Informationen rund um das Thema Ernährung und Gewichtsreduktion finden Sie unter:
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Das Interview führten Doris Gabel und Martin Liborak.