Vielzitiert: Forscher des IFB AdipositasErkrankungen

In der Forschung hat die Publikation eigener Studienergebnisse in wichtigen Print- und digitalen Wissenschaftsmedien einen hohen Stellenwert zur Verbreitung neuen Wissens. Unter den am meisten zitierten Hormon- und Stoffwechselforschern von 2008 bis 2012 sind auch Leipziger und IFB-Wissenschaftler.

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Dies ergab ein Ranking des Laborjournals, das dafür die wichtigsten Publikationsdatenbanken sichtete. Mit Prof. Michael Stumvoll, dem wissenschaftlichen Leiter des IFB AdipositasErkrankungen, auf Platz 2, und Prof. Peter Kovacs, IFB-Professor für Diabetes- und Adipositas-Genetik, auf Platz 6, sowie Prof. Matthias Blüher, IFB-Forscher im Bereich Fettgewebe und Fettgewebshormone, auf Platz 14 stehen wichtige Köpfe des IFB sogar ganz vorn auf der Liste der 50 meistzitierten Wissenschaftler.

Darunter finden sich insgesamt vier aus der Universitätsmedizin Leipzig; nur die Universität Tübingen schneidet mit  sieben Vertretern noch besser ab. Dies sei „eine Verteilung, die sich kaum mit den ‚Hotspot‘-Mustern der meisten anderen biomedizinischen Disziplinen deckt“, so Ralf Neumann vom Laborjournal. Leipzig zeigt also eine besondere Stärke in der Hormon- und Stoffwechselforschung. Prof. Stumvoll erklärt sich das gute Abschneiden so: „Die Universitätsmedizin Leipzig hat den Forschungsfokus Adipositas und metabolische Erkrankungen in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Dem ist es zu verdanken, dass das IFB AdipositasErkrankungen 2010 und der Sonderforschungsbereich Adipositasmechanismen 2013 nach Leipzig geholt werden konnten.“

Das Ranking der meistzitierten Köpfe wird – wie auch das der meistzitierten Fachartikel – angeführt von Beiträgen zu Diabetes, Körpergewicht und Body-Mass-Index, v. a. solchen die auf Genomweiten Assoziationsstudien (GWA) beruhen. „Die Dominanz der GWAs mit ihren jeweils mehr als zweihundert Autoren wirkt sich natürlich auch auf die Liste der meistzitierten Autoren aus“, erklärt Neumann. In Genomweiten Assoziationsstudien werden sämtliche menschlichen Gene und ihre Genvarianten in Bezug gesetzt zu medizinischen und körperlichen Daten wie z. B. Gewicht, BMI, Körpergröße oder Stoffwechselwerten. Menschen mit einer bestimmten Genvariante haben dann etwa einen erhöhten BMI. Daraus lässt sich schlussfolgern, welche Genvarianten wahrscheinlich mit welchen Gesundheitsrisiken und Erkrankungen zusammenhängen. Therapeutisch könnte dies interessant werden, wenn es zukünftig gelänge die Wirkungen der identifizierten Gene z. B. medikamentös zu beeinflussen. Die Gene selbst sind derzeit therapeutisch nicht beeinflussbar.

Wie kommt es, dass Leipziger Forschungsergebnisse auf so viel Interesse in Fachkreisen stoßen? Zum einen liegt dies an speziellen Genomweiten Assoziationsstudien, die Forscher des IFB durchführten oder daran beteiligt waren – wie z. B. Stumvoll, Kovacs, Blüher aber auch Dr. Anke Tönjes, und viele weitere aus den IFB-Forscherteams der Adipositas-Hormone und -Genetik. So wurden etwa medizinische Daten von großen Gruppen der sorbischen und der Leipziger Bevölkerung ermittelt. Dabei lag der Fokus in der Untersuchung  der Gene in Zusammenschau mit körperlichen Maßen wie Gewicht, Größe, Body-Mass-Index und verschiedenen Blutwerten (z. B. Glukose, Insulin, Lipide). Diesen innovativen genomweiten Forschungsansatz vertraten 2005 in Deutschland nur wenige. Prof. Stumvoll und sein Team waren jedoch von Anfang an dabei. Prof. Kovacs erläutert: „Die Studien mit den Leipziger und Sorben Kohorten waren besonders wichtig, da dies Studienkollektive sehr aufwändig und ausführlich bezüglich ihres Stoffwechsels charakterisiert wurden und sie so zu zahlreichen Fragestellungen der metabolischen Forschung beitragen konnten.“

Ein weiteres Plus für die Adipositasforschung an der Universitätsmedizin Leipzig ist die bundesweit größte Fettgewebebank, die Proben von mehr als 1.900 Fettgewebsspendern (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) enthält. Auf die umfangreichen Daten dieser Gewebebank greifen viele Forscher in großen multizentrischen Studien zurück. „Jede einzelne Fettprobe ist verknüpft mit vielen individuellen medizinischen Daten und kann genetisch ausgewertet werden. Somit ist Leipzig für die Adipositas-, Stoffwechsel- und Diabetesforschung zum wichtigen Partner geworden und erscheint entsprechend häufig in wissenschaftlichen Publikationen“, erläutert Prof. Matthias Blüher, der am IFB und im Sonderforschungsbereich Adipositasmechanismen die Entstehung krankhaften Übergewichts erforscht. Am IFB gibt es derzeit über 60 Adipositas-Forschungsprojekte; es ist ein gemeinsames Zentrum der Universität und des Universitätsklinikums Leipzig – gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das Ranking des Laborjournals ist ein Beleg dafür, dass die Konzentration der Adipositasforschung in Leipzig sinnvoll und erfolgreich ist.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Doris Gabel

In dieser Grafik aus einer Genomweiten Assoziations-Studie (GWA) zeigt sich, dass bestimmte Genvarianten auf dem Chromosom 14 stark mit der Konzentration des Fettgewebshormons Vaspin (Pfeil) zusammenhängen. (Grafik: Prof. Peter Kovacs, PD Dr. Anke Tönjes)