Ist Übergewicht ein Thema in Jugendmedien?

Viele Teenager lesen digitale und Print-Jugendmedien. Wie gehen diese Medien mit dem Thema Übergewicht um?

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Viele Jugendliche bringen zu viele Kilos auf die Waage. In Zahlen sind dies 15 Prozent der Kinder und Teenager oder 1,9 Millionen Mädchen und Jungen hierzulande. Übergewicht ist also längst auch in der U-18-Generation ein Problem geworden. Doch wird in den meistgelesenen Jugend-Zeitschriften und -Internetportalen überhaupt darüber berichtet?

Wie informativ sind Jugendmedien zum Thema Übergewicht?

Die Spannweite der Berichterstattung ist groß. Während in der „Bravo“ und dem „Youmagazin“ häufiger Artikel zu Übergewicht erscheinen, finden sich in Zeitschriften wie „Yeaz“, „Der Spiesser“ und „Juppidu“ wenig bis gar keine Informationen über dieses Thema. In den vorhandenen Artikeln ist der Informationsgehalt allerdings meist klein.

In den Texten geht es eher um Beziehungsprobleme von Jugendlichen mit zu vielen Kilos, die z. B. Fragen an spezielle Ratgeber wie „Doktor Sommer“ („Bravo“) stellen oder sich in Diskussionsforen austauschen. Oft geht es natürlich auch um beleibte Prominente. Wenn über „Adele“ berichtet wird, kommt der „normale“ übergewichtige Teenager mit seinen Problemen aber eher zu kurz. In Diskussionen z. B. in Sozialen Netzwerken, ob ein Star zu dick ist, bringen sich Jugendmagazine meist positiv ein. So schreibt etwa „Bravo“ (7.2014) über Ket Dennings, Schauspielerin in "2 Broke Girls": „Sie ist superlustig, schön - und steht zu ihren Rundungen! Sie hat kein Problem damit, nicht als typische Mager-Schauspielerin abgestempelt zu werden. Trotzdem muss sich die Max-Darstellerin häufig fiese Kommentare anhören.“

Wie verlässlich sind Informationen zu Übergewicht in Jugendmedien?

Beiträge in Jugendmedien zum Thema Übergewicht sind mit Vorsicht zu genießen. Häufig sind die Informationen nämlich irreführend oder sehr oberflächlich. Gerade wenn es darum geht, wie ein Jugendlicher wieder zu seinem Normalgewicht gelangt, ist Vorsicht geboten. So sprechen einige Jugendmedien davon, dass Diäten der einzige Weg zum Abnehmen ist. Mediziner und Ernährungswissenschaftler hingegen plädieren für einen dauerhaft veränderten Lebensstil mit gesünderer Ernährung und ausreichend Bewegung. Manchmal bedienen Jugendmedien auch die typischen Vorurteile. So sind Artikel zum Thema Übergewicht oft mit einem Foto versehen, das einen beleibten Teenager zeigt, der einen Hamburger isst. Das kann das Vorurteil verstärken, dass Übergewicht selbstverschuldet ist und ausschließlich durch ungesunde Ernährung entsteht.

Sind Jugendmedien sinnvoll für Übergewichtige?

Für übergewichtige Mädchen und Jungen bieten Jugendmedien nur bedingt Hilfe. Sie sind übervoll mit schlanken Stars wie Selena Gomez, Shakira oder Miley Cyrus und unerreichbaren Schönheitsidealen, ein durchschnittlicher oder gar dicker Jugendlicher ist kaum zu sehen. Für das Selbstwertgefühl eines übergewichtigen U-18-Jährigen ist dies eher abträglich.

Trotz allem ist es möglich, in den Medien Informationen zu recherchieren und sich gleichzeitig mit anderen jungen Leuten, z. B. in Diskussionsforen über dieses Thema auszutauschen und Gleichaltrige mit ähnlichen Problemen kennen zu lernen. Das kann Mut machen! Manche Jugendmedien, wie das „Youmagazin“, legen einen Schwerpunkt auf diese Austauschmöglichkeit und bieten weniger Informationstexte.

Die Oecotrophologin Jana Markert  arbeitet am IFB AdipositasErkrankungen in der Erforschung der Übergewichtsprävention bei Kindern und Jugendlichen. „Jugendmedien könnten in der Prävention und Behandlung von Übergewicht eine positive Rolle spielen, wenn sie objektiv Fallbeispiele beleuchten und informative Hintergrundberichte liefern würden. Dabei ist es besonders wichtig, dass sich die Redakteure ihrer Verantwortung bewusst sind und sensibel, sowie wertschätzend mit diesem wichtigen Thema umgehen“, so die Adipositasexpertin.

Wünschenswert wäre in jedem Falle, dass Mädchen und Jungen weniger unrealistischen Schönheitsidealen nacheifern, sondern sich selbst besser annehmen können. Gut aufbereitete Informationen über einen gesunden Lebensstil oder über Hilfsangebote für übergewichtige Teenager wären in Jugendmedien in jedem Falle sinnvoll, da immerhin jeder sechste Jugendliche betroffen ist.

Jonathan Fasshauer

Schlüsselwörter: Gesellschaft & Soziales, Kinder & Jugendliche