Unser Lebensstil schlägt auf die Leber

IFB erforscht Untersuchungsmethoden, die Leberschäden aufzeigen.

Foto: iStock / Janulla
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Für die Leber ist der weit verbreitete Lebensstil mit Überernährung, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel verhängnisvoll. Ohne Schmerzen oder andere Symptome zu verursachen, kann die Leber unter solchen Bedingungen schleichend immer kränker werden. Über 20 Prozent der Erwachsenen hierzulande haben bereits eine so genannte Fettleber. Unter den adipösen und übergewichtigen Patienten sind rund 70 Prozent betroffen. Zusätzlich können bestimmte Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus sowie Medikamente die Fettablagerungen in den Leberzellen verstärken. Wenn ein Drittel der Leberzellen Fettablagerungen aufweist, liegt eine leichte Fettleber vor, bis zu zwei Dritteln eine mäßige und bei mehr als zwei Drittel eine starke Fettleber. 

Folgen einer Fettleber

Bei etwa 15 bis 20 Prozent der Fettleberpatienten kommt es zu einer Fettleberentzündung (Steatohepatitis), die zu einer Vernarbung des Lebergewebes (Leberfibrose) führen kann. Wenn Übergewicht und nicht Alkoholkonsum die Ursache dafür ist, sprechen Ärzte auch von einer nicht-alkoholischen Steatohepatitis (NASH). Unbehandelt kann dies dazu führen, dass immer mehr Leberzellen absterben und durch Bindegewebe ersetzt werden – es entwickelt sich eine irreversible Leberzirrhose. Diese Erkrankungen schränken die Funktionen der Leber ein. Diese ist hauptverantwortlich für den Stoffwechsel, die Produktion von bestimmten Eiweißen und von Gallensaft sowie die Entgiftung des Körpers. Bei adipösen Patienten kommt es übrigens auch zu Fetteinlagerungen in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), wodurch die Gefahr steigt, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) zu entwickeln.

Normalerweise speichern die Leberzellen Zucker aus dem Blut als leicht abrufbaren Energielieferanten. Sie nehmen durch Fetteinlagerungen aber weniger Zucker auf, so dass die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produzieren muss, um den Blutzuckerwert zu senken. Langfristig kann ein derart gestörter Stoffwechsel dazu führen, dass die Körperzellen immer weniger auf Insulin reagieren (Insulinresistenz) und ein Diabetes entsteht. Eine Fettleber begünstigt also weitere Erkrankungen.

Untersuchungen der Leber

Wenn bei adipösen Patienten eine Operation bevorsteht, ist es wichtig den Zustand der Leber zu ermitteln. Je belasteter die Leber, umso höher ist das Operations- und Narkose-Risiko. Routineuntersuchungen des Bluts und Ultraschalldiagnostik können eine beginnende Leberschädigung nicht ausreichend genau erkennen. Als Alternative zur Leberbiopsie (Gewebeentnahme) suchen Forscher daher nach neuen, schonenden Untersuchungsmethoden der Leber. Dr. Thomas Karlas und PD Dr. Johannes Wiegand von der Abteilung für Gastroenterologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Leipzig untersuchen mit ihrem Team für das IFB, wie der Zustand der Leber am besten ermittelt werden kann. Bei normalgewichtigen Patienten lässt sich mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung (Elastographie) die Elastizität der Leber und so der Grad ihrer Erkrankung feststellen. Eine kranke Leber ist nämlich weniger elastisch.

Die jüngsten Forschungsergebnisse weisen aber darauf hin, dass bei stark übergewichtigen Patienten diese Untersuchungsmethode nicht verlässlich ist. In einer Studie wurden die Ultraschall-Tests mit den Untersuchungsergebnissen von entnommenen Lebergewebeproben verglichen. Es zeigte sich dabei, dass „bei der Mehrzahl der untersuchten Patienten kein gültiger Messwert gewonnen werden konnte“, so Dr. Karlas. Für diese Forschungsergebnisse erhielten die beiden Leipziger Forscher einen Posterpreis bei der diesjährigen Tagung der American Association for the Study of Liver Diseases (AASLD). Für die weitere Forschung ist deshalb wichtig, dass „neue Marker der Leberschädigung, wie z. B. bestimmte Proteine im Blut, in Studien überprüft werden. Dies wäre dann eine Alternative zur Ultraschalldiagnostik bei übergewichtigen Patienten.“

Die gute Nachricht ist, dass die Leber sich stärker als andere Organe wieder erholen und Zellen erneuern kann. Dazu ist allerdings ein veränderter Lebensstil mit gesunder Ernährung und Gewichtsverlust, regelmäßiger Bewegung und möglichst Verzicht auf Alkohol notwendig.

Doris Gabel

Schlüsselwörter: Folgeerkrankungen, IFB-Forschung