Stressmanagement gegen Pfunde

Nachweislich hängt Stress auch mit Übergewicht zusammen, daher kann ein gezieltes Stressmanagement bei der Gewichtsreduktion helfen.

Foto: istockphoto.com
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In Zeiten von Burn Out und Depressionen ist Stress ein weiterer wichtiger Faktor im Gefüge des seelischen Gleichgewichts von Menschen. Dass häufige Stresssituationen auch mit Adipositaserkankungen in Verbindung gebracht werden können, wurde bereits in unserem Blog mit dem Thema „Stress verführt zum Essen“ beschrieben. Doch wie kann man stressigen Situationen entgegenwirken? Ein gezieltes Stressmanagement kann helfen.

Entnervende, frustrierende Vorkommnisse und Missgeschicke des Alltags können, wenn sie negativ empfunden werden, unseren Gesundheitszustand stark beeinflussen und körperliche Beschwerden hervorrufen. Nachweislich hängen das Stresserleben und der Umgang mit Stress auch mit Übergewicht zusammen, daher kann ein gezieltes Stressmanagement bei der Gewichtsreduktion helfen.

Erst kürzlich untersuchte ein griechisches Forscherteam die Wirksamkeit eines 8-wöchigen Stressmanagement-Programms auf die Gewichtsreduktion und das Essverhalten von 34 adipösen Frauen, die ihr Gewicht unter medizinischer Aufsicht reduzieren wollten.[1] Das Programm beinhaltete unter anderem die Therapieform der progressiven Muskelentspannung (PMR). Bei diesem Verfahren soll durch die willentliche und bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand von tiefer Entspannung erreicht werden. Dabei werden ausgewählte Muskelregionen angespannt, die Spannung wird kurz gehalten und schließlich wieder gelöst. Dies soll zu einer allgemeinen Senkung der Muskelspannung unter das normale Niveau führen. Letztlich soll der Proband durch dieses Verfahren lernen, Muskelentspannung selbst herbeizuführen, wann immer er es möchte.

Eine weitere Behandlungsform des untersuchten Stressmanagement-Programms war das Erlernen und Nutzen der sogenannten Bauchatmung bzw. Zwerchfellatmung. Bei dieser sehr ruhigen Atmungsform atmet man durch das Zusammenziehen (Kontraktion) des Zwerchfells ein. Durch den entstehenden Unterdruck im Bereich zwischen der Lungenwand und dem Brustfell (Pleuraspalt) füllt sich die Lunge mit Luft. Das Ausatmen erfolgt durch das Entspannen des Zwerchfells und dem daraus resultierendem zusammenziehen der Lunge aufgrund der Eigenelastizität. Die Bauchatmung ist die gesündeste Form der Atmung, denn da nur ein geringer Anteil der Atemmuskulatur aktiv ist, wird weniger Energie verbraucht als bei der Brustatmung. Außerdem wird der Blutdruck gesenkt und die Verdauung durch die Massage der Eingeweide gefördert.

Neben diesen beiden Formen der Entspannungstherapie gibt es zahlreiche weitere Stressbewältigungsmethoden wie ein optimales Zeit- und Konfliktmanagement oder kognitive sowie Selbstmanagement-Therapien. Insbesondere fördert auch ein geeignetes Ausdau ertraining den Stressabbau und trägt zu einer ausgeglichenen und entspannten Lebensweise bei. Geeignete Ausdauersportarten sind beispielsweise Walking, Schwimmen oder Radfahren.

Letztlich konnten die griechischen Forscher in ihrer Pilotstudie feststellen, dass das 8-wöchige Stressmanagement-Programm einen bedeutsamen Einfluss auf den Diäterfolg der Probandinnen gegenüber der Kontrollgruppe ohne Stressmanagementprogramm hatte. So waren die Teilnehmerinnen am Stressmanagement im Nachhinein zurückhaltender in ihrem Essverhalten und verloren durchschnittlich rund drei Kilo mehr Gewicht als die Studienteilnehmerinnen ohne Stressmanagement.

Seit kurzem bietet auch das IFB AdipositasErkrankungen einen von der Krankenkasse anerkannten Präventionskurs Stressmanagement an. Inhalte sind Zeitmanagement und Arbeitsorganisation sowie ein Problemlösetraining und verschiedene Entspannungsformen, wie dem vorgestellten PMR. In 10 wöchentlichen Terminen á 90 Minuten lernen die Teilnehmer individuelle Stresssignale und -auslöser zu erkennen und diesen gezielt entgegenzuwirken. Weitere Informationen sowie die Kontaktdaten finden Sie auch in dieser Broschüre.

Martin Liborak

[1] Christaki et al. Stress managament can facilitate weight loss in Greek overweight and obese women: a pilot study. In: Journal of Human Nutrition and Dietics, 2013. S. 132-139.

Schlüsselwörter: Psyche, Adipositasbehandlung