Kaloriengehalt von Getränken wird oft unterschätzt

Bei der Umstellung auf eine gesunde Ernährung müssen auch Getränke bedacht werden.

Um den täglichen Wasserverlust auszugleichen, benötigt ein Mensch etwa 2 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Tag. Bei starkem Schwitzen aufgrund von Hitze oder sportlichen Aktivitäten sogar noch deutlich mehr. Dass dabei die Art der gewählten Getränke von großer Bedeutung für eine gesunde Ernährung oder eine erfolgreiche Diät ist, wird häufig übersehen. Die richtige Auswahl der Erfrischung kann so auch über Erfolg- und Misserfolg einer Behandlung adipöser Menschen mit entscheiden.

Getränke werden übersehen

Bei einer gesunden Ernährungsumstellung werden kalorienreiche Getränke häufig übersehen oder in ihrer Wirkung unterschätzt, obwohl gerade in diesem Bereich zahlreiche Kalorien gespart werden können. Ein Grund für den sorglosen Genuss von zuckerhaltigen Limonaden oder Alkohol liegt in der Wahrnehmung des Gehirns begründet. Auch wenn Cola beispielsweise mit 44 kcal pro 100 ml zu Buche schlägt, fehlt ein vergleichbares Sättigungsgefühl wie bei fester Nahrung mit gleichem Kaloriengehalt. Gerade weil süße Getränke keine guten Durstlöscher sind, besteht die Gefahr, dass man viel davon trinkt. Daher ist es umso wichtiger nicht nur darauf zu achten wie viel man trinkt, sondern insbesondere auch was man trinkt.

Vermeintlich Gesund

Ein weiteres Problem ist die gesellschaftliche Auffassung zur Getränkeauswahl, die insbesondere unseren Kindern schaden kann. So sind Softdrinks wie Cola oder Limonade als „Dickmacher“ bekannt, wohingegen Säfte mit ihren zahlreichen Vitaminen gelobt werden. Dabei hat Saft mit 40 – 50 kcal pro 100 ml etwa soviel Kalorien wie Cola. Noch bedenklicher sind „Bubble Teas“ – gesüßte Tees, die häufig mit Milch und Fruchtsirup versetzt werden und je nach Zubereitungsart 400 bis 600 kcal in 300 ml enthalten können. Obendrein bergen die enthaltenen Stärkekügelchen für Kleinkinder eine Erstickungsgefahr. Auch die sogenannten „Wässer mit Geschmack“ sind für einen optimalen Ernährungsplan ungeeignet. Fast allen Sorten wird Zucker zugesetzt. Dennoch dürfen sie sich häufig als „kalorienarm“ bezeichnen, da die Grenze dafür laut EU-Verordnung bei 20 kcal pro 100 ml liegt – was stattliche 200 Kilokalorien pro Liter bedeutet. Ähnliches gilt übrigens auch für die pürierten Obstshakes – Smoothies genannt. In ihnen befindet sich eine große Menge isolierter Fruchtzucker, welcher schwierig zu verdauen ist. Ratsam als Durstlöscher sind Mineralwasser, ungesüßte Tees, Gemüsebrühen und Saftschorlen mit nur rd. 1/3 Saftanteil. Wer partout nicht auf süße Cola verzichten möchte, greift häufig zur Light-Version mit Süßstoffen. Obwohl auch diese umstritten sind, ist das Süßstoffgetränk bei übergewichtigen und adipösen Patienten die bessere Wahl, solange es nur gelegentlich getrunken wird.

Kalorienbombe Alkohol

Alkohol ist eines der unbrauchbarsten Getränke in einem gesunden Ernährungsplan. Ein Gramm reiner Alkohol enthält mit 7 kcal fast doppelt so viele Kalorien wie Zucker (4 kcal) und fast genauso viel wie Fett (9 kcal). Hinzu kommen noch die Kalorien aus Zucker, Hefe und anderen Zutaten in alkoholischen Getränken. Letztlich birgt Alkohol auch eine fatale Doppelwirkung in sich: Es hemmt den Fettabbau, da der Körper zunächst mit dem Abbau der Giftstoffe beschäftigt ist und Alkoholkonsum regt den Appetit an. Wer überhaupt nicht auf den Gerstensaft verzichten kann, sollte daher auf alkoholfreie Biere zurückgreifen.

Tipps für gesunde Getränke

Aus der Beratung adipöser Patienten kennt Jana Hösel, Diätassistentin und Ambulanz-Koordinatorin am IFB AdipositasErkrankungen, die häufigsten Irrtümer in punkto Trinken: „Viele Menschen, die abnehmen wollen, unterschätzen den Energiegehalt in Getränken. Mein Favorit für die Patienten sind alle Kräuterteesorten wie z. B. Brennnessel, Pfefferminze, Lindenblüten, Birkenblätter, Schachtelhalm, Scharfgarbe oder Ringelblume, welche man in der warmen Jahreszeit auch gerne in der Natur selber sammeln kann. Somit vereint man die notwendige Bewegung mit einer gesunden Getränkeauswahl.“

Martin Liborak