Darmschlauch gegen Diabetes?

Ein Darmschlauch, der sogenannte EndoBarrier, bietet eine Alternative zu Adipositas-Operationen und beeinflusst einen Diabetes positiv.

Menschen, die krankhaft übergewichtig sind, leiden oft auch an Diabetes mellitus Typ 2. Gegen die schwere Erkrankung hilft in vielen Fällen nur noch eine Adipositas-Operation. Doch die chirurgischen Eingriffe sind mit vielen Risiken verbunden und können den Patienten zusätzlich belasten. Eine nichtoperative Alternative dazu bietet der EndoBarrier, ein dünner Schlauch, der in den Darm verlegt wird und die vollständige Verdauung der Nahrung verhindert.

Kleiner Eingriff, große Wirkung

Weniger als eine Stunde dauert der kleine Eingriff. Der Effekt ist groß: „Übergewichtige Diabetiker mit einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 30 und 40 kg/m² oder mehr können mit dem EndoBarrier ihre Insulinwerte auch ohne einen komplizierten bariatrischen Eingriff verbessern“, bestätigt PD Dr. Albrecht Hoffmeister von der Klinik für Gastroenterologie des Universitätsklinikums in Leipzig. Er forscht zusammen mit Prof. Matthias Blüher vom Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen zu einer Methode, die in Europa immer mehr Zuspruch findet. Der EndoBarrier verhindert, dass die Nahrung mit der Darmwand in Berührung kommt. Durch den Eingriff in das Stoffwechselsystem werden die Verdauungssäfte der Bauchspeicheldrüse an dem Schlauch vorbei geleitet. So kann die Verdauung erst verzögert einsetzen: „Im Zusammenspiel mit Bewegung und einer Ernährungsumstellung wird dem Patienten damit ermöglicht, seinen Diabetes zu kontrollieren und zusätzlich dauerhaft an Gewicht zu verlieren“, betont der Wissenschaftler, der als Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie arbeitet.

Der Darm wird „ausgekleidet“

Der EndoBarrier wird mittels eines flexiblen Schlauches, einem Gastroskop, durch den Mund im obersten Abschnitt des Dünndarms platziert. Hierfür ist eine Narkose erforderlich, doch es gibt keine Schnitte, wie bei einer Magenoperation. Dr. Hoffmeister betont, „dass der Vorteil vor allem darin besteht, dass es sehr schnell geht und vor allem keine körperlichen Veränderungen vorgenommen werden, weil nicht am Magen oder einem anderen Teil des Verdauungstraktes operiert wird“. Vielmehr wird der obere Teil des Darms „ausgekleidet“. Die dadurch entstehende Barriere zwischen Nahrung und Darmwand kann Appetit anregende Hormone zügeln und so zur Gewichtsabnahme beitragen. Neben der Gewichtsabnahme durch die verzögerte Verdauung haben Studien gezeigt, dass sich Patienten nach dem Eingriff auch länger satt fühlten und nicht mehr so viel aßen wie zuvor. Dennoch sollte auf eine kleine Nahrungsportionen und ausgewogene Kost geachtet werden, denn der EndoBarrier ist eine Hilfestellung, die von einer veränderten Lebensweise begleitet werden muss, um wirksam zu sein. In Studien hat sich gezeigt, dass 87 Prozent der Patienten mit EndoBarrier-Therapie ihre Blutzuckerwerte verbessern konnten und sich ihr Körpergewicht um 18 Prozent verringerte.

Was gilt es zu beachten?

Nach Entfernung des EndoBarrier bleiben keine Veränderungen zurück, wie dies bei bariatrischen Operationen der Fall ist. Es handelt sich somit um eine komplett reversible Methode. Natürlich ist auch für diese Therapieform die Mitarbeit unverzichtbar. So ist es wichtig, dass sich der Patient an einige Ernährungsempfehlungen hält, damit der Schlauch nicht verstopft. Auch sollte er regelmäßig Tabletten zur Unterdrückung der Magensäure nehmen. Durch diese Tabletten kann das geringe Risiko von Blutungen aus der Dünndarmschleimhaut noch weiter reduziert werden.

Die Platzierung des Darmschlauchs erfolgt für ungefähr ein Jahr. „Er ist vor allem für übergewichtige Menschen geeignet, die durch konservative Methoden keine Verbesserung ihres Diabetes mellitus Typ 2 erreichen konnten oder die so schwer übergewichtig sind, dass eine Magenoperation einfach zu riskant wäre“, verdeutlicht Dr. Hoffmeister.

Annekathrin Härter

Schlüsselwörter: Adipositaschirurgie, Adipositasbehandlung