Können sich Berufstätige am Arbeitsplatz gesund ernähren?

Welche Möglichkeiten und Mängel gibt es bei der Ernährung am Arbeitsplatz? Das IFB fasst zusammen.

Viele berufstätige Menschen kennen folgendes Problem: Es gibt im Arbeitsalltag so viel zu tun, dass keine Zeit für ausreichende Pausen und zum Essen bleibt. Viele übergehen ihren Hunger während des Tages einfach und essen dann später am Abend zu Hause und davon nicht zu wenig. Das kann schnell dazu führen, dass die Hosen enger werden. Tagsüber fehlen bei einer solchen Ernährungsweise Nährstoffe, die die Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag steigern.

Die Techniker Krankenkasse (TKK) hat kürzlich das Ernährungsverhalten in Deutschland in einer Umfrage untersucht. Einige wichtige Ergebnisse zum Sachverhalt „Ernährung am Arbeitsplatz“ hat das IFB für Sie im Folgenden zusammengefasst. Dabei wird deutlich, wie viele Berufstätige mit dem Essensangebot an ihrer Arbeitsstelle tatsächlich unzufrieden sind: Jeder Dritte klagt über die schlechten Bedingungen und fehlende Möglichkeiten, sich am Arbeitsplatz gesund und angemessen ernähren zu können. Stress und der Verzehr von Fertigmahlzeiten erhöhen erwiesenermaßen das Risiko, Übergewicht zu entwickeln.

Mangelnde Versorgung und begrenzte Auswahl

Viele Arbeitnehmer klagen der Studie zufolge vor allem über eine mangelnde Versorgung, auch dann, wenn eine Kantine oder Cafeteria in unmittelbarer Nähe ist. Vier von zehn Befragten finden, dass die Auswahl der Mahlzeiten begrenzt sei oder sich ständig wiederhole. Hinzu kommt, dass das Angebot eine gesunde Ernährung oft schwierig macht. Vor allem Befragte, die in einer Großstadt leben, beklagten das unzureichende Angebot in den Kantinen und an Imbissmöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung der Arbeitsstelle. Eine Alternative zum Kantinenessen ist, selber einkaufen zu gehen. Im Supermarkt können Komponenten für das Mittagessen zusammengestellt werden. Auf eine selbstgekochte warme Mahlzeit muss dann allerdings verzichtet werden, denn nur wenige Arbeitgeber stellen ihren Angestellten eine eigene Küche zur Verfügung. Dabei können sich Arbeitnehmer schon glücklich schätzen, wenn eine Cafeteria um die Ecke ist, denn dann gibt es eine Alternative zum Bäcker oder Fleischer, wo belegte Brötchen und süße Teilchen eine ausgewogene Mittagsmahlzeit ersetzen müssen.

Keine Zeit zum Essen

In der Untersuchung wurde deutlich, dass den Berufstätigen während der Arbeitszeit vor allem die Zeit zum Essen fehlt. Obwohl Frauen im Allgemeinen ein höheres Ernährungsbewusstsein angeben, gab es im Berufsalltag beim Thema Essen keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Jeder zweite Mann und jede zweite Frau beklagten sich über den Mangel an Zeit zum Essen. Ein Drittel aller Männer und ein Viertel der Frauen gaben zudem an, es fehle ihnen die Zeit, um sich auch am Arbeitsplatz gesund ernähren zu können. Vor allem den Männern (47 Prozent) passiere es häufig, dass sie erst zu Hause sehr spät und sehr viel, dafür an der Arbeit umso weniger zu sich nehmen.

Jeder Zehnte der Befragten gab zu, am Arbeitsplatz regelmäßig Süßigkeiten zu verzehren. Dies ist ein schneller Snack, schmeckt gut und hilft zusätzlich, mit dem Stress umzugehen. Der Vergleich der Altersgruppen der Befragten verdeutlicht, dass vor allem die Generation zwischen Mitte dreißig und Mitte vierzig zu wenig Bewusstsein für Ernährung am Arbeitsplatz entwickelt hat bzw. sich einfach zu wenig Zeit dafür nimmt.

Es wird zu wenig getrunken

Der Körper benötigt mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit täglich, empfohlen werden Wasser und ungesüßte Tees. Nahezu jede zweite Frau gab bei der Befragung an, nicht ausreichend Flüssigkeit während der Zeit am Arbeitsplatz aufzunehmen. Wer nicht genug trinkt, kann von Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten und Müdigkeit geplagt werden. Stress und Hektik lassen leicht vergessen, dass regelmäßig getrunken werden sollte, um den Körper in Schwung zu halten. 43 Prozent aller Befragten gaben an, viel zu selten an ein Glas Wasser zu denken.

Der gute Wille zählt

Eine gesunde Ernährung am Arbeitsplatz hängt nicht unbedingt mit den äußeren Bedingungen zusammen, dafür aber sehr mit dem Willen um eine bewusste Aufnahme täglicher Mahlzeiten. Die Befragung legt nahe, dass Personen, die generell auf eine ausgewogene Ernährung achten, auch während der Arbeitszeit versuchen, regelmäßig Obst und Gemüse zu verzehren oder sich in der Mittagspause ausreichend Zeit für eine ausgewogene Mahlzeit zu nehmen. Diese Personen klagen am wenigsten darüber, dass sie der Arbeitsplatz zu einer gesunden Ernährung abhält. Hingegen bemängeln 39 Prozent der Befragten, die dem Essen keinen großen Stellenwert beimessen, die schlechten Bedingungen für eine gesunde Lebensweise während des Arbeitens. Ein stärkeres Bewusstsein für die eigene Ernährung hilft demnach dabei, umsichtiger zu werden und besonnener mit dem Thema Essen am Arbeitsplatz umzugehen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kennt folgende Tipps für eine gesunde Ernährung am Arbeitsplatz:

  • Frühstücken in zwei Etappen: wem es widerstrebt, schon sehr früh am Morgen viel zu essen, kann dies nach zwei bis drei Stunden nachholen. So kann einmal reichhaltiger gegessen werden und einmal leichter z. B. mit Obst und Joghurt.
  • Zwischenmahlzeiten vermeiden Leistungstiefs: Ihre Konzentrationsfähigkeit können Sie mit verschiedenen kleineren Zwischenmahlzeiten steigern. Belegte Brote, Früchte und fettarme Milchprodukte halten die Verdauung und den Kreislauf in Schwung und verhindern Ermüdungserscheinungen.
  • Essen Sie nicht nebenbei: Wer isst, sollte sich auch darauf konzentrieren und nicht nebenbei noch Emails beantworten oder telefonieren. Genießen Sie Ihr Essen und nehmen Sie sich Zeit dafür. Zusätzlich verlieren Sie nicht so schnell den Überblick über die gegessene Menge. So vermeiden Sie die zusätzliche Aufnahme von überflüssigen Kalorien.
  • Fastfood ergänzen: Wem keine andere Möglichkeit bleibt, als die Döner-Bude um die Ecke oder die salzigen Leberkäseschnitten vom Fleischer nebenan, der sollte bewusst von zu Hause gesunde Lebensmittel mitbringen. Das ist nicht nur gut für die Figur sondern schont auch den Geldbeutel. Wer zu Hause kocht, kann den Rest einfrieren und später in der Gemeinschaftsküche verzehren. Viele Supermärkte bieten außerdem Suppen und andere leichte Speisen an, die in der Mikrowelle erwärmt werden können und deshalb eine gute Alternative zum Angebot in der Kantine sind. Wer auf sein belegtes Brot dennoch nicht verzichten will, sollte darauf achten, dass er in der Bäckerei wenigstens das Vollkornbrötchen mit Salat und ohne Remouladensoße bestellt.

Zudem bietet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für interessierte Arbeitgeber mit dem Programm JOB & FIT - Mit Genuss zum Erfolg Qualitätsstandards für die Betriebsverpflegung und die Möglichkeit zur Zertifizierung an. Dr. Tatjana Schütz, Ernährungswissenschaftlerin am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum ist davon überzeugt, dass „bisher viel zu selten von der Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, den Arbeitsplatz für Lebensstil-basierte Maßnahmen wie gesundes Essen im Hinblick auf die Adipositasprävention zu nutzen.“ Dr. Schütz betont die Vorteile solcher Interventionen am Arbeitsplatz, von denen sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber profitieren können: „Durch eine gesündere Lebensweise wäre das Personal weniger krank, was wiederum zu weniger Fehlzeiten und damit zu geringeren Produktionsverlusten für den Arbeitgeber führt. Gezielte Arbeitsplatz-basierte Ernährungsinterventionen können nach neueren Daten die Produktivität um 1 bis 2 Prozent steigern.“

Quellen:
Iss was, Deutschland? TK-Studie zum Ernährungsverhalten der Menschen in Deutschland

Link: http://www.tk.de/tk/050-publikationen/studien-und-umfragen/studienband-zur-ernaehrungsumfrage/498466

Wer mehr über das Thema „Essen am Arbeitsplatz“ erfahren möchte findet Tipps unter dem folgenden Link: http://www.dge.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=11

Informationen zum DGE-Qualitätsstandard JOB&FIT - Mit Genuss zum Erfolg unter dem Link http://www.jobundfit.de/

Schlüsselwörter: Ernährung & Diäten, Gesellschaft & Soziales