Wie beeinflussen Eltern das Essverhalten ihres Kindes?

In einer großangelegten Studie ergründen Experten am IFB, wie sich die Essgewohnheiten der Eltern auf das Gewicht der Kinder auswirken.

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Eine Leipziger Studie lädt Familien zum Essen für die Forschung ein, um mögliche Zusammenhänge zwischen elterlichem Verhalten und dem Körpergewicht von Kindern zu untersuchen. Wird Übergewicht einfach vererbt, denn der „Apfel fällt nicht weit vom Stamm“? Oder spielen noch weitere Faktoren außer den Genen eine Rolle.

Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) sind in Deutschland ein ernstzu­nehmendes Problem. Vor allem die Anzahl übergewichtiger Kinder ist in den letzten Jahren enorm angestiegen. Bereits im Kindesalter können die Betroffenen an schweren Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ II oder Bluthochdruck leiden. Dazu kommen Hänseleien und soziale Ausgrenzung. Deshalb sind Erkenntnisse über das Essverhalten und die Ernährung wichtig, um betroffenen Familien gezielter helfen zu können.

Um Essverhalten und Ernährung systematisch zu untersuchen, startete Mitte 2010 am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Adipositas­Erkrankungen eine großangelegte Eltern-Kind-Studie. Ziel ist es, Risiko- und Schutzfaktoren zu entschlüsseln, um Eltern bestmöglich beraten zu können. Viele Daten konnten dank der teilnehmenden Familien bereits erhoben werden; jetzt folgt deren detaillierte Auswertung. 106 Mädchen und 102 Jungen im Alter von sechs Monaten bis vier Jahren nehmen an der Studie im IFB teil. Zusammen mit Mutter oder Vater fanden sie den Weg zum IFB. Umfangreiche Fragebögen wurden ausgefüllt und gemeinsam eine Mahlzeit eingenommen.

Mehr als zwei Drittel der Leipziger Kinder waren zum ersten Erhebungszeitpunkt normalgewichtig. Ein Prozent erwies sich als untergewichtig, 14 Prozent hatten mit Übergewicht zu kämpfen und sieben Prozent der Kleinen waren sogar adipös. Die Wissen­schaftlerinnen wollen unter anderem wissen, wie sich das Verhalten der Eltern am Tisch, also während des gemeinsamen Essens oder während des Fütterns auf das Essverhalten und auf das Gewicht des Kindes auswirkt.

Die Psychologin Verena Wendt erläutert die neusten Erkenntnisse: „Es gibt Hinweise darauf, dass überkontrollierendes Auftreten der Eltern die Entwicklung der kindlichen Selbst­kontrolle während des Essens stören und somit die Ausbildung ungezügelten Essens begünstigen kann.“ Das wiederum könnte zu späterem Übergewicht führen. Unter überkontrolliertem Verhalten ist beispielsweise zu verstehen, dass Eltern zu sehr die Reihenfolge des Essens bestimmen, zum Aufessen drängen oder wenig Fein­fühligkeit für die Signale ihres Kindes zeigen. „Inwiefern diese Zusammenhänge durch die in Videos aufgezeichneten Mahlzeiten der Leipziger Familien gestützt werden können, kann allerdings erst gesagt werden, wenn alle Verhaltensbeobach­tungen vollständig ausgewertet sind“, erläutert die Wissenschaftlerin. „Da wir die Familien über drei Jahre hinweg begleiten dürfen, können wir auch längerfristige Veränderungen insbesondere des Gewichts erfassen. Wirklich sehr beeindruckt sind wir davon, wie viele Kindergärten und Eltern unsere Studie auch über diesen langen Zeitraum unterstützen“, freut sich Dr. Wendt.

Der Zusammenhang von kindlichem Gewicht und dem Stillen durch die Mutter wurde schon vor Jahren untersucht. Als gesichert gilt, dass ein gestilltes Kind eine geringere Wahrscheinlichkeit hat, übergewichtig zu werden. Bis zum neunten Lebensmonat verringert sich das Risiko mit jedem gestillten Monat um vier Prozent. Spannend war daher die Frage, wie viele Kinder in Leipzig wie lange gestillt werden? Dr. Wendt, die seit 16 Monaten die Eltern-Kind-Studie leitet, ist deshalb froh zu sehen, dass die teilnehmenden Mütter ihre Kinder im Durchschnitt bis zum achten Monat stillten. Und das, obwohl einige der Mütter angaben, durch das hinzuge­kommene Familien­mitglied deutlich gestresst gewesen zu sein. Ihre Motivation, ihr Kind zu stillen, verringerte sich dadurch nicht.

Schlüsselwörter: IFB-Forschung, Kinder & Jugendliche, Aipositasursachen