Was bringen fettreduzierte Lebensmittel?

Sind Light-Produkte gut für die Figur oder nur für den Absatz?

Foto: IFB Adipositas

Die Regale in Supermärkten sind voll mit fettreduzierten Lebensmitteln. Sogenannte Light-Produkte versprechen beim Kauf nicht nur eine schmale Taille sondern auch ein gutes Gewissen. Vital-Würstchen, Balance-Joghurt und Lowfat-Salami sind beliebt, weil sie die Hoffnung auf schnelles Abnehmen wecken. Doch können übergewichtige Menschen mit diesen Produkten wirklich dauerhaft Kilos verlieren?

Fette sind wichtige Energielieferanten. Im Vergleich beinhalten Kohlenhydrate und Eiweiße nur etwa die Hälfte an Energie. Für den menschlichen Körper sind Fette unerlässlich, denn sie speichern nicht nur Energie, sondern schützen auch innere Organe, fungieren als Transportstoff und helfen bei der Aufnahme fettlöslicher Stoffe, wie Vitamine. Mit Fett sorgt der Körper auch für schlechte Zeiten vor: in den Zellen wird Energie als Fett in den Zellen gespeichert. Häufen sich diese Polster, wird es kritisch für das Körpergewicht.

Fette stehen deshalb für die Nahrungsmittelindustrie im Fokus, wenn es um erwünschte Kalorienersparnis geht. Werden Fette in der Nahrung reduziert, dann führt dies auch zu einer Verringerung der Kalorienaufnahme – soweit die Theorie der Lebensmittelproduzenten. Doch Fette sind nahezu unverzichtbar für den Genuss, denn ihnen ist es meist zu verdanken, dass viele Aromen erst ihren vollen Geschmack entfalten können. Für die Lebensmittelherstellung bedeutet das eine große Herausforderung, denn fettreduzierte Produkte sollen weniger Fett enthalten, aber gleichzeitig so schmecken wie das Original.

Um neue Ideen für die Herstellung von fettarmen Lebensmitteln zu entwickeln, haben sich Experten aus Industrie und Wirtschaft im Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. zusammengeschlossen. In elf Forschungsprojekten versuchen dort Wissenschaftler die Zusammensetzung von Fetten zu entschlüsseln. Der Forschungskreis widmet sich in seinen Projekten vor allem den Fettbegleitstoffen (Lipoide), die eine wichtige Schlüsselfunktion bei der Sättigung spielen. Zudem ist es Ziel der Projekte, das komplexe Zusammenspiel zwischen dem Aufbau von Fetten, Aroma und Geschmack zu klären. Der gewünschte Erfolg, zu einer ausgewogener Ernährungsweise der Bevölkerung beizutragen, hat sich dem Verein zufolge bis jetzt noch nicht eingestellt. Ganz im Gegenteil: Die Verbraucher kaufen zwar Light-Produkte, essen dafür aber umso mehr davon.

Können fettreduzierte Lebensmittel überhaupt im Kampf gegen die Pfunde helfen, oder sind sie nur ein Alibi-Produkt der absatzorientierten Lebensmittellobby?  “Light-Produkte allein führen nicht zu einer Verbesserung des Körpergewichtes“, weiß Mario Hellbardt vom Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen in Leipzig. Generell sei eine Reduktion der Gesamtfettzufuhr im Rahmen des Gewichtsmanagements zu empfehlen, die jedoch nicht wahllos geschehen sollte, da es keinen nachgewiesenen Effekt auf den Langzeitverlauf habe, erklärt der Diätassistent und Gesundheitswissenschaftler.

Hellbardt optimiert die Behandlung und Nachsorge adipöser Patienten in den AdipositasAmbulanzen am IFB. Er empfiehlt „eine bedarfsgerechte Zufuhr an Fett, die neben der Fettmenge auch die Fettqualität berücksichtigt“. Weiterhin sei es ratsam, beim Kauf von Light-Produkten genau die Zutatenliste zu lesen. Diese verstehen zu können, "erlernen unsere Patienten in der AdipositasAmbulanz am IFB.“ Schließlich komme es auf eine ganzheitliche Veränderung des Lebensstils und damit auch des Essverhaltens an, wenn Menschen mit starkem Übergewicht dauerhaft abnehmen möchten.

Annekathrin Härter

Weitere Infos:
Hier finden Sie Tipps für eine fettärmere Ernährung.

Quellen:
Forschungskreis der Ernährungsindustrie „Erfolgreich gegen das Übergewicht. Lösungsansätze für fettreduzierte Lebensmittel. www.idw-online.de/de/news505407

www.dge.de

Schlüsselwörter: Ernährung & Diäten