Bewegungstherapie bei Adipositas

Sport ist unverzichtbar beim Abnehmen. Es fehlt aber an geeigneten Sportangeboten für adipöse Menschen.

Wer abnehmen möchte, stellt die Ernährung um, nimmt weniger Kalorien zu sich und versucht sich mehr zu bewegen. Diese Kombination ist die beste Voraussetzung, um Gewicht zu verlieren. In der IFB AdipositasAmbulanz erhalten adipöse Patienten in einem Gewichtsreduktionsprogramm einen individuellen Ernährungsplan. Sie bekommen auch Empfehlungen für mehr Bewegung und - sofern gesundheitlich möglich - eine Verschreibung für Rehasport. Die Patienten können damit in ein Sportzentrum in Wohnortnähe gehen. Generell sind gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren und Walken zu empfehlen. Viele adipöse Patienten beginnen z.B. mit Spaziergängen und steigern ihr Sportpensum mit der wachsenden Leistungsfähigkeit. Anzustreben sind zwei bis drei Mal die Woche rund eine Stunde Bewegung. Neben Ausdauer- ist auch Krafttraining empfehlenswert. Wenn bereits Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauferkrankungen vorliegen, sollte ärztlicher Rat eingeholt und ein Sportzentrum mit geschulten Trainern gewählt werden.

Sport hilft nicht nur gegen die Pfunde sondern auch gegen die Begleiterkrankungen einer Adipositas, erläutert Dr. Stefanie Lehmann, Wissenschaftlerin und Bewegungsexpertin am IFB: „Viele adipöse Patienten leiden an Diabetes Typ II. Bei dieser Erkrankung kommt es häufig zur Schädigung der Muskulatur. Für diese Patienten ist es wichtig, regelmäßig Sport zu treiben, weil sich die Muskulatur so wieder regeneriert. Bewegung regt auch den Stoffwechsel an und verbessert die Wirkung des Insulins im Blut. Mit einer gezielten und strukturierten Bewegungstherapie können die Blutzuckerwerte soweit verbessert werden, dass die Patienten weniger Medikamente brauchen oder sich gar kein Insulin mehr spritzen müssen.“ Eine weitere positive Auswirkung von regelmäßiger Bewegung ist, dass die Muskulatur gestärkt wird. „Dies führt dazu, dass der Grundumsatz steigt. Das heißt, der Körper verbraucht bereits im Ruhezustand mehr Kalorien“, so Lehmann.

Studien haben gezeigt, dass ein gewisses Maß an Belastung gegeben sein muss, um den Stoffwechsel effektiv in Gang zu bringen. Deshalb gilt es, 85 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit bzw. 85 Prozent der maximalen Herzfrequenz zu erreichen. Es ist sinnvoll vor der Planung eines Sportprogramms, einen Belastbarkeitstest bei einem (Sport-) Mediziner oder in einem Rehabilitationssportverein zu durchlaufen. Derzeit gibt es aber keine Empfehlungen von Fachverbänden zu Art, Intensität und Häufigkeit eines Trainings für schwer übergewichtige Menschen. Die Präventions- oder Rehabilitationskurse, die adipösen Menschen bisher verschrieben werden können, sind eher Hilfe zur Selbsthilfe, um mehr Bewegung in den Alltag zu bringen und zu mehr Sport zu motivieren.

Deshalb forschen Wissenschaftler am IFB auch im Bereich Bewegungstherapie: Die Wissenschaftler um Prof. Matthias Blüher untersuchen, wie sich unterschiedliches Training auf das besonders schädliche Bauchfett auswirkt. Dr. Arne Dietrich und sein Team erforschen die Wirkung von Bewegungstherapien im Anschluss an einen adipositas-chirurgischen Eingriff (Magenbypass). Die Ergebnisse dieser Studien sollen auch zur Erarbeitung von effektiven Bewegungstherapien bei adipösen Patienten beitragen.

Doris Gabel

Schlüsselwörter: Adipositasbehandlung, Sport