Gefahr: Fettleber

Am 20. November ist Deutscher Lebertag. Das IFB informiert über Ursachen und Folgen einer Fettleber

Der 13. Deutsche Lebertag am 20. November steht in diesem Jahr unter dem Motto: “Welchen Wert hat Ihre Leber?“ Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) für AdipositasErkrankungen erklärt vorab, warum die Leber so wichtig ist und warum es gilt, die größte Drüse des menschlichen Körpers durch eine gesunde Lebensweise zu schonen.

Das Herz hören wir schlagen, der Brustkorb hebt und senkt sich, wenn wir atmen. Die Leber jedoch spüren wir nicht. Nur wenige Menschen sind sich über ihre Leberwerte oder die Funktionen des Organs bewusst, das seinen Platz im rechten Oberbauch hat. Die Leber spielt eine unentbehrliche Rolle im Stoffwechsel des Körpers: aufgenommene Stoffe werden in den Leberzellen entweder verwertet, gespeichert, umgewandelt oder abgebaut. Ob Entgiftung, Speicherung von Glukose und Fett oder Synthese von Eiweißen und körpereigenem Cholesterin – die Leber ist daran beteiligt.

Die Auswirkungen einer ungesunden Lebensweise auf dieses lebenswichtige Organ unterschätzen sehr viele, denn es gilt: nicht nur Alkohol kann die Leber schädigen!

An einer nicht durch Alkohol verursachten Fettlebererkrankung leiden heute bereits 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung westlicher Industriestaaten. Nur zehn Prozent der Leberleiden können auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückgeführt werden. An einer Fettleber erkranken bis zu 90 Prozent der Menschen mit ausgeprägtem Übergewicht. Auch 30 bis 50 Prozent zuckerkranker Patienten und die Mehrzahl der Menschen mit erhöhten Blutfettwerten haben eine Fettleber. Dr. Thomas Karlas vom IFB erklärt, dass „bei der Entstehung einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung vor allem eine ungesunde Ernährungsweise mit einer übermäßigen Zufuhr an Kohlenhydraten und Fett“ ursächlich ist. Besonders Menschen mit Adipositas sind davon betroffen, da sie nicht nur Fett im Unterhautfettgewebe, sondern auch im Bauchraum und in Organen wie der Leber einlagern“, weiß der angehende Internist. Zusätzlich zum Übergewicht begünstigen aber auch andere Faktoren wie z.B. genetische Veranlagung oder Veränderungen der Darmflora die Fettleberentwicklung. Dr. Karlas erforscht gemeinsam mit PD Dr. Johannes Wiegand am IFB spezielle Ultraschallverfahren (Elastographie), die es ermöglichen durch Messung der Leberelastizität den Grad der Leberschädigung zu ermitteln. So kann mittels Ultraschall untersucht werden, ob eine Fettleber (Steatose), eine Vernarbung der Leber (Fibrose) oder sogar eine Leberzirrhose vorliegen. „Alarmierend ist, dass sich bei 10 bis 25 Prozent der Menschen aus der Fettleber eine Fettleberentzündung entwickelt, die über Jahre hinweg unbemerkt und ohne Symptome verlaufen kann“, warnt Dr. Karlas. Meist fallen erst bei einer Blutuntersuchung erhöhte Leberwerte und Entzündungsparameter auf.

Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Tatjana Schütz vom IFB weiß um die Therapiemöglichkeiten einer Leberverfettung. Im Forschungsbereich „Bariatrische Chirurgie“ setzt sie unterschiedliche „low-energy“ Diäten bei adipösen Patienten ein, die vor einem bariatrischen Eingriff wie einer Magenverkleinerung stehen. Diesen Patienten bleibt nach dem Scheitern von Diäten und Bewegungsprogrammen oft kein anderer Ausweg, als ein operativer Eingriff. Dr. Schütz erläutert, wie diese Diät funktioniert: „Dreh- und Angelpunkt ist die Verringerung der Energiezufuhr auf 800 bis 1200 kcal pro Tag. Die Patienten bekommen spezielle Fertigprodukte, meist in Pulverform, die mit Wasser angerührt werden und zusätzlich alle notwendigen Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Vor der bariatrischen Operation über einen Zeitraum von zwei Wochen eingesetzt, führt die Diät zu einer Verringerung des Leberfettgehalts und die Leber wird kleiner.“ Dies freut besonders den Chirurgen, der somit bei der bariatrischen Operation mehr Platz im Bauchraum hat.

Die Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung kann sich ebenso wie eine leichte alkoholbedingte Fettleber durch entsprechende Behandlung und Umstellung der Lebensgewohnheiten zurückbilden. Um möglichen Komplikationen der Erkrankung vorzubeugen, sollten vor allem übergewichtige Patienten mit Fettlebererkrankung regelmäßig ärztlich untersucht werden.

Annekathrin Härter

Quellen:

Milic S, Stimac D. Nonalcoholic fatty liver disease / steatohepatitis: epidemiology, Pathogenesis, Clinical Presentation and treatment. Dig Dis 2012; 30: 158-162.

Colles SL, Dixon JB, Marks P, Strauss BJ, O’Brien PE. Preoperative weight loss with a very-low-energy diet: quantitation of changes in liver and abdominal fat by serial imaging. Am J Clin Nutr 2006; 84:304-311.

Schlüsselwörter: Folgeerkrankungen