Die häufigsten Fragen zum Thema Adipositas

Therapien, Ernährung und Gesundheitsrisiken bei starkem Übergewicht interessieren am meisten.

Foto: IFB Adipositas

Beim zweiten Gesundheitstag der Universität Leipzig (6.10.12) für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter präsentierte sich das IFB AdipositasErkrankungen mit einem eigenen Infostand. Die Besucher konnten erfahren was es mit Gesundheitsrisiken, Body-Mass-Index, Fettverteilung am Körper, Folgeerkrankungen und Therapien der Adipositas auf sich hat. Hier die meist gestellten Fragen und Antworten:

Ist der Body-Mass-Index aussagekräftig?

Der Body-Mass-Index (BMI) bewertet das Körpergewicht im Verhältnis zur Körpergröße. Der BMI-Wert zeigt an, ob Unter-, Normal-, Übergewicht oder bereits Fettleibigkeit vorliegt. Er ist aber nur ein grober Richtwert und berücksichtigt weder die Körperstatur oder das Geschlecht eines Menschen noch die Zusammensetzung der Körpermasse aus Wasser, Fett- und Muskelgewebe. So kann ein muskulöser Sportler einen erhöhten BMI-Wert haben, ohne zuviel Fett am Körper zu haben. Ab  einem BMI ab 30 kg/m2 sprechen Ärzte von Adipositas.

Um sagen zu können, wie gesundheitsschädlich Übergewicht ist, sollte die Fettverteilung am ganzen Körper beurteilt werden. Menschen mit bauchbetontem Übergewicht (Apfeltyp) haben ein höheres Risiko an Herzkreislauf-Erkrankungen oder Diabetes zu erkranken als Menschen mit eher hüftbetonten Fettpolstern (Birnentyp). Es sind auch weitere Tests sinnvoll z.B. eine Blut-, Blutdruck– und Stoffwechseluntersuchungen, um eventuelle Folgeerkrankungen des Übergewichts frühzeitig zu erkennen.

Welche Gesundheitsprobleme gibt es bei Übergewicht?

Es gibt übergewichtige und auch adipöse Menschen, die keine gesundheitlichen Beschwerden haben. Das ist meist der Fall, wenn sich die Betroffenen viel bewegen. Bei manchen Menschen zeigen sich schon bei mäßigem Übergewicht und einem BMI von 29 kg/m2 gesundheitliche Folgen, während andere auch mit einem BMI von 35 keine Beschwerden haben. Das Risiko für Begleiterkrankungen wie Diabetes, Stoffwechselstörungen, Arteriosklerose, Bluthochdruck oder Fettleber steigt ab einem BMI von 30 kg/m2 deutlich an. Beschwerden mit den Gelenken, der Atmung und Schlafstörungen kommen bei stark adipösen Menschen häufig noch dazu. Um bereits die frühen Symptome einer Folgeerkrankung zu erkennen ist es wichtig, sich vom Hausarzt untersuchen zu lassen und ggf. einen Blutzuckerbelastungstest zu machen. Im folgenden Schaubild sind die Vielzahl der möglichen Folgeerkrankungen aufgeführt:

Wie läuft eine Adipositas-Therapie am IFB ab?

Die IFB AdipositasAmbulanzen für Erwachsene und für Kinder und Jugendliche sind erste Anlaufstellen für Menschen mit einem BMI über 35 kg/m2, die bereits an Folgeerkrankungen leiden. Man benötigt die Überweisung eines Facharztes, z. B. eines Internisten. Beim ersten Termin sollten die Patienten alle bisherigen Untersuchungsbefunde mitbringen. Mit einem Fragebogen werde Lebens- und Essgewohnheiten sowie Beschwerden des Patienten ermittelt. Blut wird entnommen, um eventuell vorliegende Stoffwechselstörungen festzustellen. Beim zweiten Treffen in der Ambulanz wird der Patient von einem Arzt untersucht und beraten. Dieser wertet auch den Fragebogen und die Blutprobe aus und erstellt gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten einen individuellen Therapieplan. Dazu gehören ein Ernährungs- und Bewegungsprogramm, das in den folgenden sechs Monaten immer wieder angepasst wird. Zu einer Operation, z.B. zu einer Magenverkleinerung, kommt es erst, wenn die konservativen Therapien nicht anschlagen. Ein solcher chirurgischer Eingriff wird am IFB von einem interdisziplinären Expertenteam beschlossen und ist meist die einzige verbleibende Behandlungsoption, wenn sich die Folgeerkrankungen ohne Operation gravierend verschlimmern würden.

Welche Diät ist am besten geeignet, um abzunehmen?

Reduktionsdiäten werden entsprechend ihrer Nährstoffzusammensetzung in drei große Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe bilden kohlenhydratarme Diäten, bei denen die Aufnahme von Getreideprodukten, Reis und Kartoffeln vermindert wird. Die zweite Gruppe bilden die fettreduzierten Diäten. Als dritte Möglichkeit steht eine energiereduzierte Mischkost zur Wahl, die aus Obst, Gemüse, Fisch, hochwertige Pflanzenöle und Fleisch besteht. Mit einer ausgewogenen Nährstoffaufnahme wird zugleich die Verminderung der Energiezufuhr angestrebt.

Wichtig für alle Diätformen ist, dass sie grundsätzlich ausreichend Eiweiß enthalten, da der Körper sonst die eigene Muskulatur abbaut. Welche Diät am ehesten Erfolg zeigt, hängt davon ab, ob durch die Ernährungsumstellung eine negative Energiebilanz – die Energieaufnahme ist geringer als der Energieverbrauch – über einen längeren Zeitraum erreicht wird, sonst funktioniert eine Gewichtsabnahme nicht. Entscheidend für eine erfolgreiche Gewichtsreduktion ist weniger die Zusammensetzung der Hauptnährstoffe, also Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate, als vielmehr die Fähigkeit, diese geänderte Ernährungsweise auch für längere Zeit durchzuhalten. „Wir arbeiten ohne absolute Verbote beim Essen. Den Ernährungsplan stellen wir gemeinsam mit dem Patienten auf," erläutert Prof. Matthias Blüher, der in der IFB AdipositasAmbulanz Patienten behandelt. "Angestrebt wird eine kalorienreduzierte gesunde Mischkost, in der auch die Lieblingsspeise des Patienten auftauchen darf, sofern langfristig Kalorien eingespart werden." Rund 1500 Kalorien bei der Frau und 1800 beim Mann sollen den täglichen Grundumsatz zwar decken, aber unter dem Kalorienbedarf liegen, sodass der Körper seine Reserven angreift.

Um dem bekannten Jojo-Effekt vorzubeugen, sollte die Aufnahme von Kalorien nicht radikal eingeschränkt werden; ca. 500 kcal bis maximal 800 kcal weniger pro Tag. Gleichzeitig sollte die körperliche Aktivität gesteigert werden, um den Energieverbrauch zu erhöhen und einem Muskelabbau entgegen zu wirken. Auf diese Weise verläuft die Gewichtsabnahme zwar langsamer – wünschenswert sind 0,5 kg pro Woche -, sie ist jedoch nachhaltiger und die Chance, das niedrigere Gewicht zu halten, ist höher.

Im nächsten „Aktuellen Thema“ berichtet das IFB übrigens über die Sporttherapie im Rahmen einer Adipositasbehandlung, denn auch dazu gab es viele Fragen.

Annekathrin Härter

Schlüsselwörter: Adipositasbehandlung, Ernährung & Diäten, Fettgewebe & BMI, Folgeerkrankungen