"Ich habe Rücken!"

Wie beeinflusst Adipositas die Rückengesundheit?

„Ich habe Rücken!“, sagt nicht nur Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling, sondern auch fast ein Viertel der Frauen und jeder sechste Mann in Deutschland. Sie leiden gemäß einer Befragung des Robert Koch-Instituts (RKI) an chronischen Rückenschmerzen (1). Rund 70 Prozent der Mitteleuropäer haben mindestens einmal im Jahr Rückenschmerzen. Dieses Leiden ist also zur Volkskrankheit geworden. 5,4 Prozent der Fehltage gehen nach einem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse von 2011 auf Rückenschmerzen zurück. Anlässlich des Tages der Rückengesundheit (15.3.) beleuchtet das IFB AdipositasErkrankungen das Thema Rückenbeschwerden bei stark übergewichtigen Menschen.

Die Ursachen für Rückenschmerzen reichen von Fehl- und Überbelastung, Fehlstellungen hin zu inneren Erkrankungen, Entzündungen und psychischen Leiden. Bekannt ist außerdem, dass Fettleibigkeit (Adipositas) Rückenleiden begünstigt. Mediziner um Dino Samartzis haben an der Universität Hong Kong in einer aktuellen Studie mit 2599 Männern und Frauen herausgefunden (2), dass Übergewichtige ein doppelt so hohes Risiko haben, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden als Normalgewichtige.  Die Studie zeigte bei den im Durchschnitt 42-Jahre alten Studienteilnehmern, dass bei einem hohen BMI oft eine stärkere Bandscheibenabnutzung vorliegt. Bei fettleibigen Probanden zeigte sich auch häufiger das Endstadium der Degeneration: Die Bandscheibe ist dabei bereits so abgenutzt ist, dass die Wirbelzwischenräume stark verengt sind. Die Forscher untersuchten die Wirbelsäule jedes Probanden mit einer Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) und bestimmten so die jeweilige Abnutzung. Von den Teilnehmern litten 73 Prozent unter einer Bandscheibendegeneration. Dabei war der Anteil der Männer etwas höher als der der Frauen.

Da die Zahl adipöser Menschen wächst, ist davon auszugehen, dass auch Rückenbeschwerden vermehrt auftreten. Dazu kommt, dass die meisten Berufstätigen sitzenden Tätigkeiten nachgehen. Dies führt verstärkt zu Fehlhaltungen, Verspannungen und folglich zu Rückenschmerzen. Durch den Bewegungsmangel verkümmert außerdem die Muskulatur an Rumpf und Rücken, was wiederum vermehrt Rückenprobleme nach sich zieht. Bei stark übergewichtigen Menschen dürfte der Bewegungsmangel noch ausgeprägter sein.

Rückenleiden sind in Deutschland der häufigste Grund für Frühberentung. Die Therapie von Bandscheibenvorfällen ist aufwändig und langwierig. Meist können Rückenschmerzen nicht vollständig ausgeschaltet werden. Wie bei den anderen Folgeerkrankungen der Adipositas (Bluthochdruck, Diabetes, Stoffwechselstörungen) liegt der Schlüssel zu dem Gesundheitsproblem in einer Veränderung des Lebensstils mit Reduzierung des Körpergewichts und mehr Bewegung.

Doris Gabel

Quellen:
(1) Kohlmann T., Schmidt C. O. (2005) Rückenschmerzen in Deutschland – eine epidemiologische Bestandsaufnahme. Orthopädie & Rheuma 1,38-41
(2) The association of lumbar intervertebral disc degeneration on MRI in overweight and obese adults: A population-based study. Samartzis D, Karppinen J, Chan D, Luk KD, Cheung KM. Arthritis Rheum. 2012 Jan 27. doi: 10.1002/art.33462. PMID: 22287295

Schlüsselwörter: Folgeerkrankungen, Gesellschaft & Soziales