Erhöhtes Krebsrisiko bei Adipositas

Wie ist der Zusammenhang zwischen Adipositas und den vermehrt auftretenden Krebserkrankungen?

Viele Erkrankungen wie etwa Diabetes, Bluthochdruck oder Fettleber kommen bei stark übergewichtigen Menschen gehäuft vor. In den vergangenen Jahren haben verschiedene Studien nun gezeigt, dass auch Krebs dazu gehört. Das ist besonders problematisch, da in vielen Ländern die Zahl übergewichtiger Menschen zunimmt, und somit auch die Zahl der Folge- und Krebserkrankungen. Anlässlich des Weltkrebstages (4.2.) gibt das IFB AdipositasErkrankungen einen Einblick in die Zusammenhänge zwischen Fettleibigkeit und der Entstehung von Krebs.

Eine Meta-Analyse (1)  in Großbritannien von 2008 zeigte, dass übergewichtige und v.a. fettleibige (adipöse) Menschen häufiger an Krebs erkranken. Bei adipösen Männern wurden vermehrt Tumore der Speiseröhre beobachtet, gefolgt von Tumoren des Dickdarms, der Nieren und der Leber. Bei Frauen stieg v.a. die Rate von Krebserkrankungen der Gebärmutterschleimhaut, Brust, Gallenblase, Speiseröhre und der Nieren. Einer großen Studie der American Cancer Society (2) zufolge, ist bei Frauen mit Übergewicht, das Risiko an einer Tumorerkrankung zu versterben um 10 Prozent erhöht, bei einem Body-Mass-Index von 30 bis 40 kg/m2 steigt das Risiko auf 30 Prozent, bei über 40 schnellt es sogar auf 88 Prozent hoch. Die bei Adipösen häufigeren Tumoren der Speiseröhre lassen sich hingegen durch den anhaltenden Reflux erklären: Speisebrei und Magensäure steigt aus dem Magen in die Speiseröhre und verursacht Reizungen und Sodbrennen.

Noch sind die Ursachen für das erhöhte Krebsrisiko aber nicht genau geklärt. Bei adipösen Menschen kommt es zu einer Vielzahl komplexer Veränderungen im Hormon- und Stoffwechselsystem, die zumindest teilweise im Verdacht stehen, das Tumorrisiko zu erhöhen. So produzieren etwa Fettzellen bestimmte Hormone. Bei adipösen Frauen entsteht z.B. im Fettgewebe vermehrt Östrogen. Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen erhöhten Östrogenspiegeln und der Entstehung von Gebärmutter- und Brustkrebs. Ebenso werden die erhöhten Insulinspiegel im Blut von adipösen Patienten verdächtigt, das Wachstum von Krebszellen zu fördern. Prof. Mathias Faßhauer erforscht am IFB AdipositasErkrankungen vor allem die von Fettzellen produzierten Substanzen (Adipokine). Er erläutert: „Die vermehrten Fettzellen bei adipösen Menschen produzieren verschiedene Hormone, die über eine Stimulation von Wachstum und Entzündung zu einer vermehrten Entstehung von Tumoren beitragen könnten. Einige Studien legen des Weiteren nahe, dass auch indirekte Faktoren, wie das verminderte Wahrnehmen von Vorsorgeuntersuchungen zum erhöhten Krebsrisiko bei adipösen Menschen beitragen könnten. Hier sind noch viele Fragen ungeklärt."

Doris Gabel

Quellen:
(1)      Renehan AG, Tyson M, Egger M, Heller RF,Zwahlen M.(2008) Body-mass index and incidence of cancer: a systematic review and meta-analysis of prospective observational studies;  The Lancet, Volume 371, Issue 9612, Pages 569 - 578, 16 February 2008,doi:10.1016/S0140-6736(08)60269-X
(2)     Calle EE, Rodriguez C, Walker-Thurmond K, Thum MJ (2003) Overweight, obesity, and mortality from cancer in a prospectively studied cohort of US adults. N Engl J Med 348: 1625-1638

Schlüsselwörter: Folgeerkrankungen