Deutsch-Französische Beziehungen mal anders

Deutsche und Franzosen unterscheiden sich in Vielem. Bei der Adipositas gibt es aber Parallelen.

Frankreich hat seine tief dekolletierte Marianne, wir unseren verschlafenen deutschen Michel.

Frankreich schneidert die elegantere Mode, dafür baut Deutschland die besseren Autos.

Die Franzosen trinken Wein, die Deutschen ihr Bier.

Frankreich ist das Land des Käses. In Deutschland regiert die Wurst die Teller.

Doch egal was westlich und östlich des Rheins gegessen und getrunken wird – beide Länder stehen vor einem schwergewichtigen Problem: 14,5 Prozent der Franzosen und rund 20 Prozent der Deutschen sind fettleibig (adipös) – mit steigender Tendenz. In beiden Ländern reagierten die Gesundheitspolitiker auf dieses wachsende Problem. So wurde in Paris ein Forschungs- und Behandlungsinstitut für Adipositas gegründet: das ICAN (Institute of Cardiometabolism And Nutrition). Seit Kurzem wird es wie das deutsche Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen auch staatlich gefördert und darf sich IHU (Instituts hospitalo-universitaires) nennen. Da das deutsche IFB-Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) den Franzosen als Vorbild diente, sind sich das Leipziger IFB und das Pariser IHU in Struktur und Zielsetzung ähnlich. So stand quasi “Klein-Paris“ Pate für Paris.

Das IFB gibt es bereits seit eineinhalb Jahren und ist den Franzosen damit eine Nasenlänge voraus. „Deshalb holen sich unsere französischen Kollegen gerne Rat bei uns“ sagt Prof. Michael Stumvoll, wissenschaftlicher Leiter des IFB AdipositasErkrankungen in Leipzig. So zum Beispiel letzte Woche, als Karine Clément, die medizinische Leiterin, und Nourédine Farah, der Geschäftsführer des ICAN, zu Besuch waren.

Beide Zentren stellen die Prävention und die Vermeidung eines chronischen Verlaufs der Begleiterkrankungen bei Adipositas in den Mittelpunkt. Sowohl ICAN als auch das IFB wollen dafür innovative Technologien und daraus letztendlich neue Behandlungsstrategien entwickeln, die personalisiert und interdisziplinär sind. „Das wichtigste ist der Patient. Unser Ziel ist, dass er nicht von einem Arzt zum anderen laufen muss. Bei uns kommen die verschiedenen Fachärzte ans Bett des Patienten“, erklärt Prof. Karine Clément. Dieser Satz könnte auch von Prof. Michael Stumvoll stammen, denn auch die Patienten des IFB profitieren davon, dass die verschiedenen Fachärzte, Diagnostik- und Therapieangebote an einem Ort sind.

In Zukunft werden ICAN und das IFB gemeinsam forschen und Erfahrungen in der Behandlung austauschen. Langfristig ist sogar eine Kooperation auf europäischer Ebene geplant. „Unser gemeinsames Ziel ist, federführende europäische Zentren zu schaffen“, erklärt Karine Clément. „um Patienten noch besser helfen zu können.“

Carmen Brückner

Schlüsselwörter: Aktionen & Veranstaltungen, IFB-Forschung