Risiken in der Schwangerschaft bei adipösen Frauen

In der Schwangerschaft sind adipöse Frauen stärker mit verschiedenen Gesundheitsrisiken konfrontiert als normalgewichtige.

Durchschnittlich nehmen Frauen während einer Schwangerschaft 12 bis 14 Kilo zu, davon können bis zu sechs Kilo aus zusätzlicher Körperfettmasse bestehen. Was passiert aber, wenn die angehende Mutter bereits viele Kilo zu viel auf den Rippen hat? Übergewichtige Frauen sind in der Schwangerschaft mit einigen erhöhten Gesundheitsrisiken konfrontiert.  Bei einem Body-Mass-Index von 30 kg/m2 oder darüber sind diese Gefahren besonders ausgeprägt.

Prof. Mathias Fasshauer, Endokrinologe und Adipositas-Experte am IFB, beschreibt dies so: „Es besteht das Risiko, dass diese Frauen einen Diabetes in der Schwangerschaft entwickeln, einen so genannten Gestationsdiabetes. Er tritt bei adipösen Schwangeren mehr als drei Mal häufiger auf als bei Normalgewichtigen. Der Grund dafür ist, dass die Insulinempfindlichkeit bei adipösen Frauen schon vor der Schwangerschaft eingeschränkt ist und eine weitere Verschlechterung des Glukosestoffwechsels während der Schwangerschaft dann nicht mehr ausgeglichen werden kann durch eine Mehrproduktion von Insulin.“ In Europa leiden zwischen fünf und zehn Prozent aller Frauen, die ein Kind erwarten, an dieser Form des Diabetes.

Ein weiteres Risiko adipöser Schwangerer ist  ein erhöhter Blutdruck mit vermehrter Eiweißausscheidung im Urin, die so genannte Präeklampsie. Dieses Risiko ist noch größer, wenn bereits ein Gestationsdiabetes vorliegt. "Die Ursache für den erhöhten Blutdruck liegt wahrscheinlich in einer gestörten Durchblutung des Mutterkuchens und einer Fehlregulation von Eiweißstoffen aus dem Fettgewebe“, erläutert Fasshauer. Zusammen mit seinem Forscherteam untersucht er am IFB, inwieweit Fehlfunktionen des Fettgewebes bei Frauen, die einen Gestationsdiabetes und eine Präeklampsie hatten, zu diesen Schwangerschaftsleiden beitragen und später auch die Entstehung von Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen begünstigen. Außerdem kommt es bei adipösen Schwangeren häufiger zu einer Frühgeburt und rund doppelt so oft zu einem Abort als bei normalgewichtige Schwangeren.

"Auch die Entwicklung des Kindes kann beeinträchtigt sein", erklärt der Gynäkologe und Geburtsmediziner Prof. Holger Stepan vom Universitätsklinikum Leipzig, "besonders bei einem nicht erkannten und unbehandelten Gestationsdiabetes kommt es zu einem Problem für das Kind. Typisch ist die fetale Makrosomie mit einem erhöhten Gewicht des Babys. Dies bewirkt später bei dem Kind eine erhöhte Empfänglichkeit für Adipositas und Diabetes. Durch das größere Geburtsgewicht kommt es bei der Geburt zu mehr Komplikation und zu mehr Kaiserschnitten."

Frauenärzte raten adipösen Schwangeren, zu engmaschigen Kontrollen v.a. des Blutdrucks, des Blutzuckerspiegels und der kindlichen Entwicklung. Der Gewichtsverlauf muss regelmäßig gemessen werden. Allerdings sollte die Frau während der Schwangerschaft keine Abnehmkuren machen, sondern auf eine besonders gesunde und ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst achten, die reich ist an Vitaminen, Spurenelementen, Eiweiß und komplexen Kohlenhydraten. Ideal wäre es, wenn vor der Schwangerschaft Übergewicht abgebaut wird. Wichtig ist auch die Überprüfung der Schilddrüse, da eine Unterfunktion nicht nur schlecht für den Stoffwechsel der Mutter sondern auch für die Entwicklung des Kindes ist. Bewegung ist besonders für die übergewichtige Schwangere ratsam. Geeignet ist z.B. Schwimmen und Spazierengehen.

In weiteren Beiträgen im "Aktuellen Thema" des IFB gibt es Informationen über die Probleme bei der Geburt und die Gefahren für das Kind bei adipösen Müttern.

Doris Gabel

Schlüsselwörter: Kinderwunsch & Familie, Folgeerkrankungen