Psyche und Adipositas

Professur für Verhaltensmedizin am IFB AdipositasErkrankungen ging an Prof. Dr. rer. nat. Anja Hilbert

Verschiedene psychosoziale Belastungen können dazu beitragen, dass Essprobleme wie unkontrolliertes Überessen und schließlich sogar eine Adipositas entstehen. Essanfälle, wie z.B. die sogenannte Binge-Eating-Störung, und ihre Behandlung sind Forschungsschwerpunkte von Anja Hilbert (44), die zum 1. September 2011 dem Ruf der Universität Leipzig als Professorin für Verhaltensmedizin / Ernährungspsychologie an das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen gefolgt ist.

„Besonders die Kooperation mit anderen Disziplinen wie Innerer Medizin, Chirurgie oder den Neurowissenschaften reizen mich am IFB. Dieser interdisziplinäre Ansatz bereichert die Forschung. Bisher arbeitete ich stärker mit Fachleuten aus Psychotherapie und Psychiatrie zusammen“, erklärt Prof. Hilbert. Von der Universität Fribourg (Schweiz), der Philipps-Universität Marburg und ihrer Arbeit im Ausland bringt Hilbert umfangreiche Erfahrung aus Forschung, Lehre und Therapie mit. Die gebürtige Cellerin arbeitete von 2003 bis 2004 im Weight Management Center der Washington University in St. Louis (USA) und leitete von 2005 bis 2009 eine Marburger Nachwuchsforschergruppe zum Thema Adipositas. Als assoziierte Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie leitete sie von Anfang 2010 bis August 2011 die Akademie für Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter und das Beratungs- und Therapiezentrum des Instituts für Familienforschung und -beratung in Fribourg.

Ihre neue Aufgabe beschreibt Hilbert so: „In der Krankheitsgeschichte von Menschen mit Essanfällen zeigen sich gehäuft psychosoziale Risikofaktoren wie z.B. Vernachlässigung, Überforderung, Missbrauch oder ein gestörtes Essverhalten in der Familie wie regelmäßiges Überessen. In Leipzig möchten wir herausfinden, ob die sogenannte kognitiv-behaviorale Therapie erwachsenen und jugendlichen Patienten mit der Binge-Eating-Störung helfen kann, ihr Essverhalten und ihre Gefühle besser zu regulieren und somit ihr Körpergewicht zu normalisieren.“

Prof. Michael Stumvoll, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums unterstreicht: „Eine so erfahrene Therapeutin und international bekannte Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Essstörungen wie Frau Professor Hilbert gewonnen zu haben, ist ein echter Coup für das IFB.“ Er erläutert weiter, dass „psychische Störungen in der Entstehung krankhaften Übergewichts eine überaus große Rolle spielen. Mit dieser nunmehr vierten IFB-Professur ist es uns gelungen, die verhaltensmedizinischen Projekte stärker zu verankern. Außerdem ist Frau Professor Hilbert in der IFB-AdipositasAmbulanz als verantwortliche Psychologin direkt in die Patientenbehandlung eingebunden.“

Das IFB führt mehrere Forschungsprojekte mit psychologisch-psychiatrischen Fragestellungen an der Universitätsmedizin durch, zwischen denen sich zukünftig verstärkt Möglichkeiten der Zusammenarbeit anbieten. An verschiedenen Projekten beteiligt ist die Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie mit Prof. Elmar Brähler, die auch die organisatorische Einbindung der IFB-Forschungsprofessur gewährleistet. Neben dem Projekt von Prof. Hilbert beschäftigt sich Prof. Annette Kersting aus der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit Essstörungen. Hier geht es um ein Internet-basiertes Therapieangebot für betroffene Patienten. Das Team von Prof. Kai von Klitzing, Leiter der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik für Kinder und Jugendliche, untersucht die Zusammenhänge elterlichen Verhaltens und der Entstehung von Übergewicht bei Kleinkindern. Die Wechselwirkung von Schlaf-Wach-Rhythmus, Depression und der Entstehung von Übergewicht erforschen Prof. Hubertus Himmerich und seine Mitarbeiter für das IFB an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Prof. Steffi Riedel-Heller vom Institut für Sozialmedizin geht der Frage nach, wie es zur Stigmatisierung adipöser Menschen in der Bevölkerung und speziell in Gesundheitsberufen kommt. Die Stigmatisierung stark Übergewichtiger hat weitreichende Folgen und spielt auch eine Rolle in der Entstehung von Essstörungen, „denn Erfahrungen gewichtsbezogener Diskriminierung führen bei adipösen Menschen, insbesondere im Kindesalter, zu einem erhöhten Leiden, einem negativen Körper- und Selbstbild, Essproblemen, bis hin zu depressiven Symptomen,“ so Hilbert.

Sie studierte Psychologie an den Universitäten Freiburg i. Br., Marburg und Nancy (Frankreich), sie promovierte und habilitierte an der Philipps-Universität Marburg. Zahlreiche deutsche und englische Fachpublikationen zeichnen Hilbert als Expertin für Ess- und Gewichtsstörungen aus. Die Neu-Leipzigerin entspannt sich am besten bei Jazzmusik, bei Gartenarbeit und wenn es die Zeit erlaubt beim Segeln.

Kontakt:

Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen
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Philipp-Rosenthal-Straße 27, 04103 Leipzig

Tel.:+ 49 (0)341 / 97-15940
Fax: + 49 (0)341 / 97-15949
E-Mail:  presse [at] ifb-adipositas [dot] de

Prof. Dr. rer. nat. Anja Hilbert
Tel.:+49 (0)341 / 97-15360
E-Mail: anja [dot] hilbert [at] medizin [dot] uni-leipzig [dot] de

Schlüsselwörter: IFB-Forschung, Psyche, Essstörungen