Herkömmlich ist besser

Für Diabetiker geeignet? Professor Michael Stumvoll rät Zuckerkranken und Übergewichtigen von Diabetikerprodukten ab.

Finger weg von Diabetikerprodukten! Professor Michael Stumvoll, wissenschaftlicher Leiter des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) AdipositasErkrankungen Leipzig, rät Zuckerkranken und Übergewichtigen davon ab. Denn nach medizinischen Erkenntnissen sind Diabetikerkekse nicht zucker- und kalorienärmer als herkömmliche Plätzchen.

Der Advent ist die Zeit des Jahres, in der ganz offiziell genascht werden darf – und das ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Damit auch Diabetiker und Übergewichtige nicht verzichten müssen, gibt es spezielle Diätlebensmittel. Lange Zeit erlaubten sie auch ihnen Naschen ohne Sünde.

Doch nach aktuellem Stand der Wissenschaft sind diese weder zucker- noch kalorienärmer und damit auch nicht besser für Diabetiker und Übergewichtige geeignet als herkömmliche Lebensmittel. Diabetiker-Plätzchen machen nämlich genauso dick. Statt Glukose (Traubenzucker) enthalten sie Austauschstoffe wie Fruktose, Isomalt, Sorbit und viele andere mehr. Diese Substanzen erhöhen zwar nicht den Blutzuckerspiegel, haben aber ebenso viele Kalorien wie normaler Zucker.

Deshalb rät auch Professor Michael Stumvoll, Diabetologe und wissenschaftlicher Leiter des IFB AdipositasErkrankungen, Diabetikern von angeblich für sie geeigneten Lebensmitteln ab: „Ein Diabetiker muss sich schon genügend Zwängen unterwerfen: Kalorien zählen, Messen, Spritzen, extra Traubenzucker zu sich nehmen, wenn der Blutzucker fällt. Er sollte essen, was es gibt.“ Heutzutage seien die Insuline zum Glück so wirksam, dass sie schnell den erhöhten Blutzucker normalisieren.

Studien zufolge besteht sogar ein Zusammenhang zwischen Fruktosekonsum und Übergewicht, der nicht auf einer vermehrten Kalorienaufnahme beruht, sondern auf einer Beeinflussung des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels: Fruktose wird vom Körper schneller in Körperfett umgewandelt als Glukose. Außerdem soll die Fruktose die Einlagerung von Fetten aus der Nahrung verstärken. Zu dem enthalten Diabetikerkekse mehr Fett als herkömmliche.

Doch egal zu welchen Keksen man greift - entscheidend ist immer die Kalorienbilanz. „Wenn man mehr aufnimmt, als man verbrennt, sind alle Kekse schlecht“, so Stumvoll. „Diabetiker müssen darauf natürlich besonders achten. Sie dürfen eine Gesamt-Kohlenhydratmenge pro Mahlzeit von etwa sieben Broteinheiten nicht überschreiten, sonst wirkt das Insulin nicht mehr“, erklärt Stumvoll. Wie so oft gilt also auch in diesem Fall: Die Menge macht´s!

Schlüsselwörter: Diabetes, Ernährung & Diäten