Neuroendokrine Mechanismen

Die Forscherinnen und Forscher der Nachwuchsgruppe "Neuroendokrine Mechanismen der Adipositas" untersuchen insbesondere die Frage, wie überschüssige Nahrungsaufnahme und Gewichtszunahme kurz- und langfristig Gehirnbereiche und -funktionen verändern, die das Essverhalten regulieren.

Neuroendokrine Mechanismen - Gehirn
(Foto: iStock/MeePoohyaphoto)

Vor allem der Hypothalamus, ein entscheidendes Steuerungszentrum der Nahrungsaufnahme, und das Belohnungsempfinden, also das positive Gefühl nach angenehmen Reizen, wie der Nahrungsaufnahme, können nachhaltig gestört sein. Wenn das Belohnungssystem des Gehirns nur noch auf große Nahrungsmengen anspricht, macht dies Abnehmversuche und v. a. das Halten eines erreichten niedrigeren Gewichts schwierig. Es kommt zur Wiederzunahme der verlorenen Kilos, also dem Jojo-Effekt.

Eine wichtige Rolle hierbei spielen offenbar die Hormone Leptin im Hypothalamus und Dopamin, auch bekannt als „Glückshormon“. Letzteres ist ein Botenstoff des Belohnungssystems, das u. a. positiv auf Antrieb, Motivation, Lust, und Freude an der Nahrungsaufnahme wirkt.

Jüngere Daten weisen darauf hin, dass adipöse Menschen mehr Nahrung konsumieren müssen, um denselben „zufriedenstellenden“ Dopaminspiegel zu erreichen als normalgewichtige. Diese Zusammenhänge zu entschlüsseln, haben sich Dr. Wiebke Kristin Fenske und ihr Team in Kooperation mit US-amerikanischen Forschern um Prof. Ivan de Araujo von der Yale University zur Aufgabe gemacht.

Verantwortlich für die unterschiedlichen Dopaminlevels bei über- und normalgewichtigen Menschen, scheint u. a. die Fettaufnahme mit der Nahrung zu sein. Dopamin könnte ein wichtiger Faktor sein, warum viele Menschen etwa nach Abnehmkuren wieder Gewicht zunehmen, während Patienten, die mit Hilfe der Adipositas-Chirurgie abnehmen, diese Gewichtsreduktion meist über viele Jahre halten können.

Wie es zu diesem Unterschied kommt und welchen Einfluss die Adipositas-Chirurgie auf die Hirnregionen hat, die das Essverhalten kontrollieren, sollen neue Studien klären. Dies könnte neue Ansatzpunkte für nicht-operative, auch langfristig wirksame Adipositas-Therapien liefern.

Dr. Wiebke K. Fenske leitet die Nachwuchsforschungsgruppe.

Dr. Wiebke Kristin Fenske

Leitung Nachwuchsgruppe "Neuroendokrine Mechanismen"
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