Kann die Ernährung von Jugendlichen durch speziell auf sie zugeschnittene Kampagnen verbessert werden?

Adipositas bei Kindern und speziell bei Jugendlichen ist eine zunehmende große gesellschaftliche Herausforderung. Um die Ernährung in dieser Altersgruppe zu verbessern können Informationen, welche die spezifischen Werte von Jugendlichen und ihre Autonomie gegenüber andere betonen, hilfreich sein.

Weltweit steigt die Zahl an übergewichtigen Kindern und Jugendlichen. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln sind in Deutschland fast zwei Millionen der 3-bis 17-Jährigen übergewichtig. Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kinder- und Jugendalter in Berlin geht sogar davon aus, dass mittlerweile bereits 8,5 Prozent der 14- bis 17-Jährigen an starkem Übergewicht mit einer krankhaften Veränderung des Stoffwechsels (Adipositas) leiden. Die Ursachen hierfür sind eine zu fett- und zuckerreiche Ernährung, wenig Bewegung, wenig oder unregelmäßiger Schlaf, Stress und zum Teil auch die Erbanlagen. Ist es möglich, diesen ungünstigen Lebensstil positiv zu beeinflussen und eine Verbesserung hinsichtlich des Ernährungsverhaltens bei Jugendlichen zu erzielen? Diese Frage stellten sich amerikanische Psychologen um Christopher Bryan von der University of Chicago (Illinois, USA).

Die Forscher fanden in der darauffolgenden Untersuchung heraus, dass speziell auf Jugendliche zugeschnittene Informationen bei ihnen wirksamer sind, als der erhobene Zeigefinger. Um einen gesünderen Lebensstil bei Jugendlichen zu erzielen, muss an Werte appelliert werden, die in diesem Alter besonders stark ausgeprägt sind. Beispielsweise soziale Gerechtigkeit. Generelle Informationen über gesundes Essen bringen den Forschern zufolge wenig. Auch psychologische Vorgehensweisen, die bei Kindern erfolgreich waren, blieben bei Jugendlichen erfolglos.

Die Psychologen führten die Studien mit Schülerinnen und Schülern der achten Klasse einer Mittelschule in Texas (USA) durch. Ingesamt waren über 500 Jugendliche beteiligt. Ein Teil der Schüler las Zusammenfassungen von journalistischen Artikeln, bei denen es um die Methoden der Lebensmittelindustrie ging. Beispielsweise wurde beschrieben, dass auf Verpackungen der Anschein erweckt wird, ungesunde Lebensmittel seien gesund oder das Produkte hergestellt werden, die ein gewisses Suchtpotenzial haben. Andere Schüler erhielten neutrale Artikel, bei denen es um allgemeine Informationen über Gesundheit und Ernährung ging. Ein dritter Teil der Schüler bekam hingegen Artikel, die keinerlei Informationen zum Thema Ernährung enthielten. Diese Informationskampagnen zielten darauf, spezielle Einstellungen Jugendlicher, z.B. die Autonomie gegenüber Erwachsenen, soziale Gerechtigkeit oder den sozialen Status zu nutzen, um sie über Ernährungsfragen zu informieren und zum Nachdenken zu bewegen.

Bei einem Schulfest wurde anschließend getestet, ob diese Informationskampagnen reale Auswirkungen hatten. Dies war tatsächlich der Fall. Schüler der ersten Gruppe griffen deutlich häufiger zu gesunden Lebensmittel als Schüler, die irrelevante Informationen bekommen hatten. Zudem änderten auch die Schüler der zweiten Gruppe, die nur allgemeine Informationen über gesunde Ernährung bekommen hatten, ihr Verhalten nicht. Dies lässt auf folgendes schließen: Informationen, welche die spezifischen Werte von Jugendlichen und ihre Autonomie gegenüber anderen betonen, sind eine gute Strategie, um die Ernährung in dieser Altersgruppe zu verbessern.

Originalstudie: Harnessing adolescent values to motivate healthier eating. In: PNAS, Vol.: 113, No.: 39, Page: 10830-10835, September 27, 2016.