Die postbariatrische Chirurgie hilft Patienten nach großen Gewichtsverlusten

Die postbariatrische Chirurgie hilft Menschen, die sehr viel abgenommen haben, durch die Entfernung überschüssiger Hautlappen.

(Foto: IFB Adipositas)

Sehr stark übergewichtige Patienten, die mithilfe einer Adipositastherapie oder eines operativen Eingriffs wie etwa einer Magenverkleinerung oder Darmverkürzung (Bariatrische Chirurgie) sehr viel abgenommen haben, stehen meist vor einem weiteren Problem. Aufgrund der massiven Gewichtsreduktion um häufig 50 bis 100 Kilogramm kommt es zu überschüssigen Hautlappen an Bauch, Armen und Beinen. Dies belastet die Betroffenen psychisch und körperlich. Die postbariatische Wiederherstellungschirurgie kann helfen diese Leiden zu lindern. Das Universitätsklinikum Leipzig bietet die bariatrischen sowie die postbariatrischen Operationsverfahren an. Im aktuellen „Science Lunch“ (21.1.2015) des IFB AdipositasErkrankungen diskutierte Dr. Jeannine Sauber (Department für Operative Chirurgie, Universitätsklinikum Leipzig) die medizinischen und psychologischen Aspekte der postbariatrischen Chirurgie mit interessierten Wissenschaftlern und Ärzten.

Bevor ein postbariatrischer Eingriff stattfinden kann, müssen die Patienten jedoch einige Voraussetzungen erfüllen. So muss ein stabiles Zielgewicht seit mindestens sechs Monaten vorliegen und der Body-Mass-Index sollte unter 30 kg/m2 liegen. Dieser Zielwert wird meist innerhalb von zwei Jahren nach dem bariatrischen Eingriff erreicht. Der Patient sollte psychisch möglichst ausgeglichen sein. Die Übernahme der OP-Kosten muss bei der jeweiligen Krankenkasse vom behandelnden Arzt beantragt werden. Ob eine Kostenübernahme erfolgen kann, ist insbesondere vom individuellen Gesundheits- und Leidenszustand des Patienten abhängig. Unter den Hautfalten kommt es zu vermehrtem Schwitzen und Hautreizungen; es können sich in der Folge Hautpilze und Ekzeme bilden. Trotz sorgfältiger Reinigung sind diese Leiden letztlich nur durch die chirurgische Straffung der überschüssigen Hautpartien wirksam behandelbar. Die großen Hautfalten führen außerdem dazu, dass der Patient sich nur eingeschränkt bewegen kann. Zudem ist die psychische und psychosoziale Rehabilitation der Betroffenen ein wichtiger Grund für einen Eingriff. Oft ermöglicht erst ein postbariatrischer Eingriff, dass die Betroffenen sich wieder ungehindert bewegen und normal kleiden können. Damit grenzt sich die postbariatrische Chirurgie auch deutlich von sogenannten „Schönheitsoperationen“ ab, bei denen häufig rein ästhetische Gründe im Vordergrund stehen.

Sind alle Voraussetzungen für einen Eingriff erfüllt, folgt zunächst eine umfassende Untersuchung und Beratung des Patienten. Je nach Umfang und Position der überschüssigen Hautlappen wird die Anzahl der Eingriffe festgelegt und das betreffende Areal im Stehen angezeichnet. Ein einfaches Fettabsaugen (Liposuktion) ist aufgrund der Masse an überschüssiger Haut meist nicht möglich, da sich das betreffende Gewebe nicht mehr selbstständig zurückbilden und straffen kann. Da neben dem Bauch oft auch andere Körperregionen wie Oberarme, Oberschenkel, Brüste oder der Po betroffen sind, führen spezialisierte Chirurgen die Körperstraffung in mehreren Eingriffen jeweils im Abstand von rund sechs Monaten durch.

Bei der Bauchdeckenstraffung wird dann die überschüssige Haut im unteren Bereich entfernt. Die verbleibenden Hautareale werden anschließend wieder vernäht. Es kann sein, dass auch der Bauchnabel versetzt werden muss, da er im entfernten Gewebe liegt. Drainagen verbessern nach der OP die Wundheilung, da sie den optimalen Abfluss von Blut und Wundsekret gewährleisten. Aufgrund der erhöhten Hautspannung nach der Operation, muss der Patient die betroffene Stelle zunächst entlasten und für mindestens sechs Wochen Kompressionsverbände tragen. Neben der weiteren Therapie durch physiotherapeutische Übungen muss der Patient für etwa vier Monate auf sportliche Betätigungen verzichten, die den Operationsbereich belasten. Nach etwa sechs Monaten und einem optimalen Heilungsverlauf können dann weitere Eingriffe folgen.

Auch wenn sich durch die postbariatrischen Eingriffe die Lebensqualität und psychische Gesundheit der Patienten deutlich verbessert, muss klar sein, dass auch nach der Heilung aller OP-Stellen das Idealbild eines dauerhaft Normalgewichtigen nicht gänzlich erreicht werden kann. Mithilfe der Ärzte und Therapeuten sollten die Patienten eine möglichst realistische Erwartung an diese Art der Operationen entwickeln. Wichtig ist auch den individuellen Grad und Verlauf der Adipositaserkrankung mit im Blick zu haben, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Martin Liborak

Schlüsselwörter: Fettgewebe & BMI, Adipositaschirurgie