Erfahrungen einer Patientin vor und nach einem Adipositas-chirurgischen Eingriff

Aus leichtem Übergewicht entwickelt sich oft im Laufe des Lebens Adipositas. Wie bei Ilona Peetz begünstigen schwierige Lebensphasen die Gewichtszunahme noch zusätzlich.

Fotos: Ilona Peetz

Die Werbekauffrau Ilona Peetz entschied sich mit einem Body Mass Index von 53,6 für einen Adipositas-chirurgischen (bariatrischen) Eingriff in Form eines Magenbypass. Nach zahlreichen erfolglosen Versuchen abzunehmen und die Ernährung umzustellen, ließ die 53-Jährige schließlich im Oktober 2013 die Operation am Universitätsklinikum Leipzig vornehmen. Seitdem hat sie schon über 20 Kilo abgenommen und plant weitere 28 Kilos zu verlieren. Aufgrund des Gewichtsverlustes hat sich ihr Gesundheitszustand bereits merklich verbessert. Mit dem IFB hat sie nun über ihre Erfahrungen vor und nach der Operation in einem Interview gesprochen.

Seit wann begleitet Sie ihr Übergewicht? Sind Sie bereits in Ihrer Kindheit oder Jugend betroffen gewesen?

Man sagte mir immer als Kind, dass ich zu dick sei. Wenn ich aber meine Kinderbilder anschaue, würde ich mich als normalgewichtig bezeichnen. Ich war in der Schule immer die Kleinste und wirkte vermutlich anders auf meine Mitmenschen. Mein Übergewicht begann hauptsächlich nach der Geburt meines ersten Sohnes 1982. In der Schwangerschaft habe ich etwa 30 kg zugenommen und danach lag das Gewicht bei etwa 70 kg. 1985 bekam ich meinen zweiten Sohn. In der zweiten Schwangerschaft nahm ich nicht so viel zu wie bei der ersten, aber ich wog danach etwa zwischen 75 und 80 kg. Ich versuchte zu dieser Zeit meine erste Diät, indem ich früh, mittags und abends nur eine halbe Scheibe Brot zu mir nahm. Mein Gewicht ging in kurze Zeit auf unter 70 kg runter, aber leider auch meine Nerven als allein erziehende Mutter. Es kam der erste Jojo-Effekt und ich lag schnell wieder bei 80 kg. 1990 bekam ich meinen dritten Sohn und danach schwankte das Gewicht zwischen 80 und 85 kg. 1994 lernte ich meinen zweiten Ehemann kennen und mit ihm seine schlechten Essgewohnheiten. Das hieß vor allem jeden Abend warmes Essen und am Wochenende auch mittags sowie unregelmäßige Essenszeiten. Mein Gewicht ging in kurzer Zeit auf über 90 kg. 1998 kam noch mein vierter Sohn zur Welt. Wobei ich in der letzten Schwangerschaft nicht zu viel an Gewicht zugenommen hatte. Ab etwa 2000 kamen von Jahr zu Jahr durch familiäre und finanzielle Probleme immer ein paar Kilos hinzu. 2012 erreichte ich fast 127 kg.

Haben Sie vor Ihrem chirurgischen Eingriff schon andere Abnehmversuche unternommen? Wenn ja, welche waren dies?

Mitte der 80er Jahre probierte ich die bereits genannte Radikaldiät. 1992 versuchte ich es dann mit Weight Watchers, gefolgt von weiteren Diäten aus Zeitschriften sowie Trennkost und Slimfast. 2005 scheiterte eine individuelle Ernährungsberatung, sodass ich ab 2006 gelegentlich Trennkost nach Dr. Pape zu mir nahm. Ab 2012 begab ich mich schließlich in die Ernährungsberatung der IFB AdipositasAmbulanz an der Uniklinik Leipzig.

Warum haben Sie sich letztlich für einen bariatrischen Eingriff entschieden?

Ich konnte meine Ernährung nicht wie erforderlich umstellen und den familiären Gepflogenheiten anpassen. Es fiel mir schwer, meinen Mann und mein Kind zu einer gesunden Ernährung umzustimmen, obwohl es ihnen auch gut getan hätte. Ich habe meine gesundheitlichen Probleme nicht mehr ausgehalten und konnte die Ablehnung und Lästereien meiner Mitmenschen nicht mehr ertragen. Ein guter Freund meines Mannes hatte 2012 eine erfolgreiche Magenbypass-OP und damit war mein Wunsch nach der OP geweckt. Ich sah für mich die Chance dauerhaft und erfolgreich Gewicht zu verlieren. Ich wollte nie wieder mit dem Jojo-Effekt kämpfen müssen.

Was mussten Sie vor der Operation alles beachten? Wie haben Ihnen Ärzte und Diätassistenten geholfen?

Bei der Ernährungsberatung habe ich mich nicht immer verstanden gefühlt und musste öfter mit meinen Gefühlen kämpfen. Im Grunde wusste ich ja schon immer welche Lebensmittel gesund sind und ich mochte schon immer gern Obst und Gemüse, aber leider auch gern Fleisch, Wurst und Käse. Dennoch habe ich ein paar nützliche Tipps und Ratschläge bekommen und konnte mein Gewicht um etwa 2 kg in 2 Jahren reduzieren.

Ich musste mich darauf einstellen täglich wenigstens 2 Liter zu trinken und regelmäßige Mahlzeiten einzuhalten. Dabei half mir auch das Ernährungsprotokoll, das ich für die Diätberatung erstellen musste. Auch half mir ein Rezept zum Rehasport und ich konnte so meine Scheu vor der Aquagymnastik überwinden. Auch die BIA-Messung zur Ernährungsberatung fand ich zur Kontrolle sehr sinnvoll. So sah man auf einen Blick, ob man ausreichend getrunken hatte, evtl. an Muskelmasse zugenommen und Fett verbrannt hat. Zur Vorbereitung auf die OP machte ich eine Eiweißdiät, durch die ich bereits viel abgenommen habe.

Inwiefern hat sich Ihr tägliches Leben nach dem Eingriff verändert? Was müssen Sie nun alles beachten?

Mein Leben ist im wahrsten Sinne leichter geworden. Ich habe nur noch selten Schmerzen in meinen Knien und kann wieder schneller und länger gehen oder länger stehen. Es macht mir wieder Spaß auf die Straße zu gehen und etwas zu unternehmen. Mir schauen im vorbeigehen fremde Menschen nicht mehr so oft nach oder beleidigen mich mit unangenehmen Sprüchen.

Anfangs fiel es mir noch schwer vor den Mahlzeiten ausreichend zu trinken und alles gut durchzukauen, damit der Magen alles gut verdauen kann. Heute, nach fast 5 Monaten, klappt das ganz gut und ich kann fast alles in kleinen Portionen essen. Heißhunger gibt es nur ganz selten, da ich meine drei Mahlzeiten zeitlich gut einhalten kann. Auch mein Einkaufsverhalten hat sich geändert und ich musste im Nachhinein feststellen, wo früher die Fehler beim Einkaufen lagen. Ich kaufe mir heute einmal in der Woche einen Gemüsevorrat. Zu fettige oder zu süße Lebensmittel mag ich seit der Operation nicht mehr. Der Appetit ist zwar geblieben, aber ich bekomme schnell ein Sättigungsgefühl. Einen Teller leer essen, auch wenn man satt ist, gibt es nicht mehr, denn dann bekommt man schnell die Quittung. Magendruck, ein drückendes Gefühl in der Speiseröhre und auch ein unangenehmes Erbrechen bleiben einem dann nicht erspart.

Was raten Sie anderen Betroffenen, die ebenfalls vor der Entscheidung eines bariatrischen Eingriffs stehen?

Ich habe nur gute Erfahrungen mit der Magenbypass-Operation gemacht und kann niemanden davon abraten. Menschen, die wie ich schon so lange unter Übergewicht leiden, wird somit dauerhaft geholfen und ich hoffe sehr, dass es diese Möglichkeit weiterhin geben wird. Ich empfinde mein Leben nach langer Zeit wieder lebenswert. Man braucht keine Angst vor der Operation zu haben. Meine Angst wäre größer, zu wissen, dass das Übergewicht mein Leben erheblich verkürzt und irgendwann der Alltag noch mehr zur Last wird und man viele Dinge nicht mehr erledigen kann. In der Universitätsklinik Leipzig ist man gut aufgehoben.

Sie sind Mitglied in einer Selbsthilfegruppe, wie hat Ihnen der Austausch mit anderen Betroffenen weitergeholfen?

Ich bin seit März 2013 in einer Selbsthilfegruppe. Der Austausch mit anderen Leidensgenossen tut natürlich gut und man fühlt sich immer verstanden. Tipps zur Ernährungsberatung sind immer hilfreich, aber auch andere zu motivieren und seine Erfahrungen weiter zu geben macht mir Spaß. Jeder in unserer Gruppe freut sich auf das monatliche Treffen. Ich habe sogar eine Facebookseite zur Selbsthilfegruppe „Schwere.los“ eingerichtet. Es macht mir Spaß gelegentlich Tipps, Rezepte oder nützliche Links für Andere zu veröffentlichen. Ich werde ab Sommer 2014 eine eigene SHG gründen!

!!! Neue Adipositas-Selbsthilfegruppe !!!

Ilona Peetz hat eine eigene SHG mit dem Namen „Fit für mich“ gegründet. Die Gruppe wird sich ab Sommer 2014 einmal monatlich treffen. Interessierte können sich wenden an:

Ilona Peetz
Telefon: 0341 6040974
Mobiltel.: 0176 48301106
Email: fit-fuer-mich [at] web [dot] de
www.facebook.com/fit.fuer.mich

Schlüsselwörter: Patienten-Berichte,  Adipositasbehandlung, Ernährung & Diäten