Übergewicht kann Nieren belasten

Neue Erkenntnisse der Nierenbleastung bei Übergewicht.

Viele überschüssige Pfunde sind schädlich für die Gesundheit, sie belasten Gelenke, Leber, Herz und Stoffwechsel. Weniger bekannt ist, dass sie auch den Nieren schaden können. Anlässlich des Weltnierentags (13.3.2014) berichtet das Integrierte Forschungs- und Behandlungs­zentrum (IFB) AdipositasErkrankungen wie es bei Übergewicht zur Nieren­belastung kommt und welche neuen Erkenntnisse die Adipositas­forschung bietet.

Patienten mit starkem Übergewicht (Adipositas) und einem Body-Mass-Index von 40 kg/m2 und mehr zeigen häufiger eine eingeschränkte Nierenfunktion im Vergleich zu Normalgewichtigen. Die genauen Mechanismen der Nierenschädigung bei Adipositas sind jedoch unklar.

Adipositas belastet Nieren

Prof. Tom Lindner, Leiter der Nephrologie am Universitätsklinikum Leipzig, erläutert: „Bei einem Teil der Patienten kann sich das Übergewicht negativ auf die Nierenfunktion aus­wirken. Dies passiert unabhängig von anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus Typ-2, für die bei Übergewichtigen das Risiko ebenfalls stark erhöht ist. Erste Zeichen der Nierenbeeinträchtigung können erhöhte Kreatininwerte im Blut sowie die Ausscheidung von Proteinen im Urin sein.“ Auch wenn noch keine Folgeerkran­kungen der Adipositas vorliegen, kann also starkes Übergewicht die Nieren beein­trächtigen.

Folgeerkrankungen von starkem Übergewicht schaden Nieren

Die Folgeerkrankungen einer Adipositas treten allerdings häufig auf und verstärken die Nierenbelastung. Zunächst leiden die Betroffenen an einem metabolischen Syndrom. Dies ist eine Kombination von Krankheitszeichen wie Fett- und Zuckerstoffwechsel­störungen sowie Bluthochdruck. Bereits das metabolische Syndrom hat einen negativen Einfluss auf die Nieren. Unbehandelt führt es häufig zu den typischen Folgeerkrankungen der Adipositas wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2, die den Nieren weiter zusetzen.

Beeinträchtigen Hormone aus dem Fettgewebe die Nierenfunktion?

Eine Ursache für den negativen Effekt einer Adipositas auf die Nieren könnte außerdem sein, dass adipöse Menschen vermehrt  bestimmte Proteinhormone aus dem Fettgewebe (Adipokine) im Blut aufweisen, welche die Nieren zusätzlich schädigen. So verstärken hohe Spiegel des Adipokins Leptin die Sklerose von Blutgefäßen. Die Filtration des Blutes zur Ausscheidung von nicht verwertbaren Stoffwechselprodukten und Giften erfolgt  über unzählige winzige Knäuel kleinster Blutgefäße in den Nieren, den Glomeruli. Deshalb bedeutet die Schädigung dieser kleinen Gefäße eine Verschlechte­rung der Nierenleistung.

Ein weiteres Adipokin, das Progranulin, steht im Fokus der Forschung von Dr. Thomas Ebert am IFB AdipositasErkrankungen. Der Wissenschaftler erklärt, „die Progranulin-Spiegel im Blut von Patienten mit Adipositas oder mit Diabetes mellitus Typ 2 sind deutlich erhöht.“ Progranulin und seine Abbauprodukte fördern entzündliche Prozesse und „können somit langfristig das Risiko für einen Diabetes mellitus Typ 2 sowie Arteriosklerose verstärken.“ Ebert gelang es erstmals zu zeigen, dass eine verringerte Filtrationsrate der Nieren mit erhöhten Progranulin-Spiegeln einhergeht. Die verringerte Nierenfunktion führt dazu, dass diese überschüssigen Adipokine nicht ausreichend aus­geschieden werden. und weiter Stoffwechsel und Nieren beeinträchtigen. Dieser Teufels­kreis könnte somit langfristig zur erhöhten Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei ein­geschränkter Nierenfunktion beitragen.

Die Frage, ob die überschüssigen Adipokine direkt nierenschädigend wirken, muss in weiterführenden Forschungsprojekten untersucht werden.

Schlüsselwörter: IFB Forschung, Folgeerkrankungen