Verminderte Fruchtbarkeit bei adipösen Männern

Adipositas kann bei Männern die Zeugungsfähigkeit und das Sexualverhalten beeinflussen.

Laut dem aktuellen Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind 67 Prozent der Männer übergewichtig, 23 Prozent sogar adipös. Dass dies nicht nur Folgen für die individuelle Gesundheit hat, sondern auch die Zeugungsfähigkeit und das Sexualverhalten beeinflusst, zeigen verschiedene Studien.

Spermien sind beeinträchtigt

Eine Studie des Universitätsklinikums Leipzig untersuchte zwischen 1995 und 2005 den männlichen Samen (Spermien) von über 2000 Männern mikroskopisch (1). Die daraus resultierenden „Spermiogramme“ führten zu aufschlussreichen Erkenntnissen über den Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Zeugungsfähigkeit bei Männern. Der Studienleiter Prof. Dr. Uwe Paasch von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie (Geschlechtskrankheiten) und Allergologie und Leiter des ‚Training Center of the European Academy of Andrology’ der Universität Leipzig, erklärt: „Nicht nur die Anzahl der Spermien ist bei adipösen Männern vermindert, sondern die Spermien sind auch teilweise deformiert und in ihrer Leistungsfähigkeit gemindert.“ Diese Veränderungen führen wahrscheinlich auch zu einer verringerten Zeugungsfähigkeit.

Testosteron-Spiegel erniedrigt

Bei adipösen Männern ist außerdem die Konzentration des männlichen Sexualhormons Testosteron im Blut deutlich geringer als bei normalgewichtigen Personen. Vor allem führt eine verminderte Testosteronproduktion zu Störungen der Spermienreifung und der Libido und damit der sexuellen Aktivitäten. Auch in der AdipositasAmbulanz des IFB am Leipziger Universitätsklinikum ist dieses Problem bekannt, so der Leiter der AdipositasAmbulanz am Uniklinikum Leipzig, Prof. Dr. Mathias Fasshauer „Männer mit Adipositas haben im Schnitt niedrigere Spiegel des männlichen Geschlechtshormons Testosteron, welches eine wichtige Rolle spielt für die Zeugungsfähigkeit und das Sexualverhalten. Die Ursachen für diesen Mangel sind bisher wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt.“

Zudem wandeln die vorhandenen Fettzellen das männliche Testosteron in das weibliche Sexualhormon Östrogen um. Das Zuviel des weiblichen Sexualhormons führt wiederum zu einer verminderten Samenproduktion (2). Weiterhin können ein erhöhter Blutdruck und hoher Cholesterinspiegel zu einer Schädigung der Blutgefäße führen, die sich auch auf die Blutversorgung des Penis und damit die Erektionsfähigkeit auswirken.

Hilfe bei Kinderwunsch

Mithilfe von Testosteron, durchblutungsfördernden Mitteln (z. B. Phosphodiesterase-5-Hemmer) oder blutdrucksenkenden Medikamenten kann adipösen Männern in Hinblick auf die Spermabildung (Spermatogenese) und die Erektionsstörungen bzw. bei verminderter Libido teilweise geholfen werden. Eine Behandlung gegen die verminderte Spermienanzahl oder die herabgesetzte Leistung und Deformationen ist im Einzelfall zu prüfen. Zuletzt können die relativ aufwendigen künstlichen Befruchtungsmethoden eingesetzt werden, die aber auch nicht immer helfen.

Adipöse Männer mit verminderter Fruchtbarkeit sollten auch versuchen ihr Gewicht zu senken und z. B. in einem Adipositas-Behandlungsprogramm teilnehmen. Denn obwohl eindeutige Studienergebnisse noch ausstehen, ist davon auszugehen, dass eine Verminderung des Gewichts sich auch positiv auf die Zeugungsfähigkeit auswirkt. Dies ist z. B. auch bei adipösen Frauen mit Kinderwunsch der Fall, die nach einer Gewichtsabnahme leichter schwanger werden. Das IFB AdipositasErkrankungen in Leipzig bietet mit der AdipositasAmbulanz eine Anlaufstelle für adipöse Menschen.

Martin Liborak

(1) Paasch et al: Obesity and age affect male fertility potential. In: Fertility and Sterility Vol. 94, No. 7, Dezember 2010; S. 2898-2901
(2) Sharpe et al: Environmental/lifestyle effects on spermatogenesis. In: Phil. Trans. R. Soc. B (2010) 365, 1697–1712

Schlüsselwörter: Kinderwusch & Familie, Folgeerkrankungen