Forschung gegen Bauchspeck

Teilnehmer an einer wissenschaftlichen Studie können die Forschung unterstützen und zugleich abnehmen.

Ein Forschungsteam des IFB AdipositasErkrankungen in Leipzig sagt dem Bauchspeck den Kampf an. In einer klinischen Studie von Prof. Matthias Blüher können Menschen mit Übergewicht an einer Studie teilnehmen. Darin untersuchen die Forscher seit 2010, wie sich Ausdauer- und Krafttraining auf das lästige Bauchfett und den Kalorienverbrauch der Studienprobanden auswirken. Bauchfett (viszerales Fett) gilt als besonders bedenklich, weil es das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes Typ 2 und andere Adipositas-Folgeerkrankungen erhöht. Studien haben bereits gezeigt, dass sich gerade Stoffwechselerkrankungen durch aktives Trainieren deutlich mindern lassen.

Zwei Jahre lang gehen die an der Studie teilnehmenden Frauen und Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren zweimal pro Woche in ein Sportzentrum. Auch Heike Wohlfahrt* hat sich getraut. Sie ist eine der Teilnehmerinnen der Studie und wird dabei sportwissenschaftlich betreut und regelmäßig medizinisch in der IFB AdipositasAmbulanz am Universitätsklinikum Leipzig untersucht. Wie sie dazu kam und wie sie es schaffte, auch abzunehmen, schildert sie in diesem Interview: 

Warum haben Sie sich dazu entschlossen, an der Studie teilzunehmen?

Ach, im Grunde war das wirklich eine ganz spontane Entscheidung. Vor anderthalb Jahren habe ich die Anzeige für die Suche nach Probanden in der Leipziger Volkszeitung gesehen und mich daraufhin unter der Telefonnummer bei Dr. Stefanie Lehmann gemeldet. Es war Sommer und die Hose war mal wieder zu eng geworden. Ich habe mich ohnehin nicht mehr wohl in meiner Haut gefühlt, denn mit 126 Kilo kommt man ganz schön ins Schwitzen. Gesundheitlich hatte ich deshalb nie Probleme, doch es ist schon ein unangenehmes Gefühl, wenn die Hose ständig kneift und man sich einfach nicht mehr wohlfühlt. Die Anzeige hat mich auf die Idee gebracht, endlich das Problem mit den Kilos anzugehen.

Was waren die Gründe für ihr damaliges Übergewicht?

Essen! Ich habe einfach zu viel gegessen: abends vor dem Fernseher Knabbereien, hier und da ein Glas Wein und ein Glas Cola. Viele Menschen wissen ja nicht, was sie ihrem Körper mit diesen Softdrinks antun! Vor allem die Getränke haben wahnsinnig viele Kalorien. Kartoffeln, die beim Mittag im Topf übrig blieben, die habe ich dann eben auch noch genascht. Die überschüssigen Pfunde habe ich mir sozusagen in den vergangenen dreißig Jahren einfach nach und nach angefuttert. Ungesund war meine Ernährung dabei nie, ich habe immer selber gekocht, doch eben dann zu viel von allem gegessen. Zusätzlich habe ich in meinem Beruf auch nicht viele Möglichkeiten mich zu bewegen, denn als Taxifahrerin sitze ich die meiste Zeit im Auto. Dazu kamen Schwangerschaftspfunde, die ich nie wieder richtig losgeworden bin und so habe ich irgendwann viel zu viel gewogen.

Nun wiegen Sie 44 Kilo weniger! Wie haben Sie es innerhalb der Studie geschafft, in nur anderthalb Jahren so viel abzunehmen?

Ich sage gleich vorab, dass es wirklich eine Kombination von Ernährungsumstellung und Bewegung war. Im Rahmen der Studie gehe ich jede Woche zwei Mal ins Fitnessstudio. Dort mache ich für eine Stunde Ausdauertraining auf Ergometer, Crosstrainer und Stepper. Dr. Stefanie Lehmann hilft uns Studienteilnehmern während der Trainingszeiten. Es gibt noch eine Gruppe, die nur Krafttraining macht, denn die Mediziner wollen ja herausfinden, mit welchem Training man am besten lästiges Bauchfett loswerden kann. Alle drei Monate absolviert man einen Leistungscheck und optimiert dann noch mal seine Ernährung. Man kann z.B. unterstützend zum Training mehr Eiweiße zu sich nehmen. Und um ehrlich zu sein, in Gesicht, an Po und an Oberschenkeln sieht man sehr schnell erste Erfolge. Das Fett am Bauch schmilzt hingegen sehr langsam. Zusätzlich führe ich ein Ernährungsprotokoll. Das hilft mir nachzuprüfen, wie viele Kalorien ich am Tag zu mir nehme. Zuvor hatte ich noch nie eine Diät ausprobiert. Am Anfang der Studie bekam ich Ernährungstipps, regelmäßig wird mein Grundumsatz gemessen. So weiß ich immer, wo ich stehe und was ich mir erlauben darf. Es geht vor allem darum, in Maßen zu essen. Während der vergangenen 1,5 Jahre musste ich auf nichts verzichten, habe Eisbein genauso gegessen wie meine heißgeliebten Pralinen, doch dann eben nicht gleich die ganze Packung. Dass ich so lange durchgehalten habe, liegt vor allem an den Erfolgen, die sich sehr schnell gezeigt haben. Das hat mich motiviert! Ich habe nicht ein einziges Mal ans Aufhören gedacht, denn mein Ziel ist es, 50 Kilo abzunehmen und für die restlichen sechs bleibt mir ja noch ein halbes Jahr Zeit!

*Name wurde von der Redaktion geändert.

Das Interview führte Annekathrin Härter.

Schlüsselwörter: Adipositasbehandlung, Sport, Patienten-Berichte