Erhöhtes Risiko für Diabetes bei Adipositas

Immer mehr Menschen leiden an Diabetes und an Adipositas. Zwischen den beiden Erkrankungen gibt es viele Zusammenhänge.

Die Zahl der Menschen mit Diabetes (Typ II) wächst, ebenso nimmt die Zahl übergewichtiger und krankhaft dicker (adipöser) Menschen zu. Über die Hälfte der Deutschen sind übergewichtig und rund 20 Prozent sogar adipös (Body-Mass-Index; BMI über 30 kg/m2). Anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November unterstreicht das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen, dass die Behandlung von Diabetes oder Adipositas immer auch auf die jeweils andere Erkrankung zielen muss, denn beide Leiden kommen oft im Doppelpack.

In Deutschland gibt es derzeit rund sechs Millionen Diabetiker. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich diese Zahl in den nächsten 20 Jahren nahezu verdoppeln wird. Besonders bei den 55- bis 75 Jährigen gibt es außerdem eine große Dunkelziffer – auf jeden Erkrankten kommt einer mit noch nicht diagnostiziertem Diabetes.

Längst ist bewiesen, dass eine erhöhte Fettmasse im menschlichen Körper das Risiko für Diabetes erhöht – vor allem die Fettpolster am Bauch und Körperstamm. So ist v.a. bei Frauen mit einem BMI über 30 dieses Risiko um ein 20-faches erhöht.  80 bis 90 Prozent aller Diabetiker sind übergewichtig. Allerdings bekommt nicht jeder Mensch mit Übergewicht oder Adipositas zwangsläufig auch Diabetes. Bei den Betroffenen kommt meist noch eine genetische Vorbelastung dazu – es gibt also bereits Diabeteskranke in der Familie.

Noch sind die medizinischen Zusammenhänge nicht gänzlich geklärt. Bekannt ist aber, dass zuviel Fettmasse im Körper die Wirksamkeit von Insulin senkt. Dieses Hormon ist hauptsächlich dafür verantwortlich, dass Zuckerstoffe im Blut in die Körperzellen eingeschleust und dort zu Energie umgewandelt werden kann. So senkt es den Blutzuckerspiegel.  Die Bauchspeicheldrüse produziert bei mangelnder Hormonwirkung mehr Insulin - bei anhaltender Überforderung schafft sie es aber nicht mehr ausreichende Mengen des Stoffwechselhormons zu produzieren.

Neue Studien deuten darauf hin, dass Substanzen aus dem Fettgewebe (Adipokine) die Wirkung des Insulins in der Muskulatur und Leber beeinflussen. Prof. Mathias Faßhauer und sein IFB-Forscherteam untersuchen die Auswirkungen der Adipokine. Der Adipositas-Experte erläutert die Bedeutung dieser Stoffe für die Entstehung des Diabetes: „Wir kennen mittlerweile relativ viele Adipokine, welche die Empfindlichkeit für Insulin senken, nur wenige dagegen steigern die Insulinwirkung. Ob Adipokine in Zukunft in der Klinik als Diabetesmedikamente Anwendung finden können, ist noch unsicher. Auf alle Fälle ist hier noch ein weiter Weg zu gehen.“ In der Behandlung adipöser Patienten mit Diabetes in der IFB AdipositasAmbulanz achten die Ärzte besonders auf Medikamente, welche das Körpergewicht weiter steigern können. Hierzu gehören einige Diabetesmedikamente, aber auch Medikationen gegen psychische Leiden.

Wenn Übergewichtige ihre Ernährung umstellen und abnehmen, können 20 bis 30 Prozent der Diabetesfälle vermieden oder sogar rückgängig werden. Oft verbessert bereits eine Gewichtsreduktion von nur fünf bis zehn Kilo die Stoffwechselsituation erheblich. Wichtig für eine optimierte Insulinwirkung ist außerdem körperliche Aktivität; auch moderater Sport wie Schwimmen, Spazierengehen oder Walking kann helfen, die Blutzuckerspiegel zu senken und sogar die Diabetesmedikamente zu reduzieren. Ein erfolgreiches Trio aus regelmäßiger Bewegung, gesunder ballaststoffreichre Ernährung und Gewichtsreduktion kann das Diabetesrisiko mehr als halbieren und kann bei einem bereits vorliegenden Diabetes die Symptome lindern oder die Erkrankung ganz heilen.

Doris Gabel

Schlüsselwörter: Diabetes