FDH war gestern...

... heute ist Abnehmen mit Betreuung angesagt.

Maren S. und Uta N. haben erfolgreich abgenommen. Sie kommen regelmäßig zur IFB AdipositasAmbulanz.

Eine Zauberformel fürs Abnehmen kann auch die AdipositasAmbulanz des IFB nicht bieten. Adipöse Menschen, die Pfunde verlieren möchten, werden aber engmaschig beraten – und gerade diese Betreuung und wiederkehrende Motivation ist bei einem so langwierigen Prozess entscheidend. Die Methode „Friss die Hälfte“ (FDH) mag zwar wirksam sein, langfristig ist sie aber nicht durchzuhalten. Auf den langen Atem kommt es jedoch an: „Ein Kilogramm Gewichtsverlust pro Monat ist für uns bereits ein Erfolg“, so Professor Matthias Blüher, ein international anerkannter Adipositas-Experte aus Leipzig. „Das Hauptproblem bei den Patienten sind überzogene Erwartungen, wie viel und wie schnell sie abnehmen werden.“ Wenn die Erwartungen nicht schnell genug erfüllt werden, schwindet oft auch die Disziplin. Umso wichtiger ist also, dass Ärzte, Ernährungs- und Sportberater regelmäßig mit dem Patienten sprechen, Diät- und Bewegungsplan neu justieren und v.a. motivieren, weiter zu machen. Die Nachfrage nach dieser Unterstützung ist groß: Rund 300 adipöse Patienten kommen derzeit monatlich in die AdipositasAmbulanz.

Weniger aber besser essen
„Wir arbeiten ohne absolute Verbote beim Essen. Den Ernährungsplan stellen wir gemeinsam mit dem Patienten auf“,  erläutert Blüher. Angestrebt wird eine kalorienreduzierte gesunde Mischkost, in der auch die Lieblingsspeise des Patienten auftauchen darf, sofern langfristig Kalorien eingespart werden. Rund 1500 Kalorien bei der Frau und 1800 beim Mann sollen den täglichen Grundumsatz zwar decken, aber unter dem Kalorienbedarf liegen, sodass der Körper seine Reserven angreift. Dank eines Kalorimeter-Geräts kann der Grundumsatz, also der tägliche Kalorienverbrauch im Ruhezustand, vorab bestimmt werden.  Oft sind es kleine Ernährungsregeln – wie etwa abends weniger oder keine Kohlenhydrate mehr zu essen – die eine große Wirkung haben.

Adipöse Patienten ernst nehmen
Die 41-jährige Uta N. beschreibt ihre Erfahrung mit der Behandlung an der IFB Adipositas-Ambulanz so: „Zum ersten Mal fühlte ich mich verstanden und ernst genommen. Ich hatte ja schon viele Abnehmversuche hinter mir, von Ärzten wurde ich nur abgespeist mit Sätzen wie ‚Sie müssen erst mal abnehmen!’“ Genau das ohne Unterstützung zu schaffen, ist aber das Problem. Wie viele Betroffene war Uta schon als Kind zu dick. In den vergangenen Jahren nahm sie sprunghaft zu, als sie sich wegen Bandscheibenproblemen nur noch wenig bewegen konnte. Mit über 100 Kilogramm bei einer Größe von 1,65 Meter wollte sie „nicht mehr in den Spiegel schauen“ und suchte schließlich Hilfe beim IFB.  Dank Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und medikamentöser Hilfe gelang es ihr 20 Kilogramm abzunehmen. Uta N. unterstützt außerdem die Adipositasforschung, denn sie nimmt an Prof. Blühers Studie teil: Auswirkungen von Krafttraining im Vergleich zu Ausdauertraining auf Veränderungen der viszeralen Fettmasse und des Grundumsatzes bei Patienten mit Adipositas? Ziel der Studie ist herauszufinden, welche Bewegungsform schneller und nachhaltiger das gefährliche innere (viszerale) Bauchfett reduzieren und damit zahlreiche Stoffwechsel- und Herz-Kreislaufrisikoparameter verbessern kann.

Sport und mehr Bewegung im Alltag
Nach einer eingehenden Befragung und Untersuchung des Patienten in der Ambulanz entsteht mit Hilfe von Sportwissenschaftlern auch ein Bewegungsprogramm, das speziell auf den Patienten abgestimmt ist. Wichtig ist, das Sportpensum schrittweise zu intensivieren, wenn Betroffene Gewicht verloren und mehr Fitness aufgebaut haben. Hier kooperieren die IFB-Ärzte mit dem Rehabilitations-Sportverein „leichter leben e.V.“ Ein einfacher Schrittzähler kann außerdem zeigen, wie viel mehr Bewegung sich in den Alltag einbauen lässt.  Dennoch kann es zu einem Stillstand beim Abnehmen kommen, in dem über Wochen keine Pfunde mehr purzeln. In diesen Phasen, sei es wichtig weiter durchzuhalten, so Blüher, „denn das Abnehmen, das Halten des niedrigeren Gewichts und die Lebensstiländerung sind eine lebenslange Aufgabe.“ Davon kann auch Maren S. ein Lied singen. Seit Januar 2011 wird die 49-jährige Verwaltungsangestellte von den Mitarbeitern der AdipositasAmbulanz betreut. Nachdem sie bereits 13 Kilo abgenommen hat, scheint sich nun der Zeiger auf der Waage nicht mehr bewegen zu wollen. „Ich fühle mich dennoch gut und werde auch auf mein besseres Aussehen angesprochen. Das baut mich echt auf und hilft, den ‚inneren Schweinehund’ zu überwinden“, unterstreicht die Mutter zweier Töchter.

Grenzen der konservativen Adipositastherapie
Anders als bei den beiden Frauen müssten Menschen mit hohem Body-Mass-Index (BMI) allerdings 30, 50 oder mehr Kilogramm abnehmen; die Erfolgsrate ist in dieser Gruppe niedrig. Es gebe jedoch immer „Einzelfälle, bei denen es auch Patienten mit einem BMI von 50 gelungen ist, langfristig abzunehmen“, so Blüher, der auch Vorsitzender der Adipositas Stiftung und Beiratsmitglied der Deutschen Adipositasgesellschaft ist. Eine groß angelegte Studie in Schweden (1)  ergab, dass durch konservative Therapie nur rund zwei Prozent des Körpergewichts abgebaut werden konnten. Adipositas-Operationen wie Magenband oder -bypass erzielten hingegen bis zu 28 Prozent. Allerdings machen auch solche Operationen eine lebenslange Umstellung des Essverhaltens notwendig. Blüher hofft, dass nicht zuletzt die Arbeit in den zahlreichen IFB Forschungsprojekten zukünftig Früchte trägt, und eine wirksame Therapie gefunden wird, die das Abnehmen leichter macht. Maren S. und Uta N. raten Betroffenen, sich nicht zu verstecken, sondern sich professionelle Hilfe zu suchen und diese auch anzunehmen. (Weitere Informationen zur IFB AdipositasAmbulanz)

Doris Gabel

Quelle: (1) Sjostrom l et al (2007). Effects of baraitric surgery on mortality in Swedish obese subjects. N Egl J Med 357:741-752

Schlüsselwörter: Ernährung & Diäten, Adipositasbehandlung