Wenn der Teller leer bleibt

Fasten ist die Zeit der Neugeburt, sagt Jana Hösel.

Noch knapp zwei Wochen, dann ist Ostern und somit die christliche Fastenzeit von 40 Tagen zu Ende. Ob religiös motiviert oder nicht – das Frühjahr nutzen immer mehr Menschen, um zu fasten. Der Verzicht kann dabei ganz unterschiedlich aussehen. Die einen verkneifen sich Dinge, die sie nur schwer entbehren können: Zigaretten, Alkohol, Fleisch, Süßigkeiten, Fernsehen oder die Nutzung von sozialen Internetnetzwerken wie facebook. Andere wiederum üben den Totalverzicht. Sieben Tage ohne Essen oder mehr.

So schwer die Enthaltsamkeit anfangs ist, so positiv wirkt sie auf Körper, Geist und Seele. „Man steigert die eigene Leistung während des Fastens, weil sich der Organismus in dieser Zeit nicht mehr mit der Verdauung beschäftigen muss“, erklärt Jana Hösel, Ernährungsberaterin am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen Leipzig. Sie selbst hat diese Erfahrung schon gemacht.
Wer fasten will, sollte dies jedoch vorbereiten und ein paar Regeln beachten. „Der Körper muss langsam darauf eingestellt werden, indem man schon in den Tagen vorher weniger isst.  Ebenso wichtig ist nach dem Fasten die Phase, in der sich der Körper wieder an Nahrung gewöhnt.“ Für die Zeit des Verzichts gilt, ausreichend zu trinken, vor allem warme Getränke, und sich viel Zeit für sich selbst zu nehmen.

Die Entsagung mag demjenigen, der noch nicht gefastet hat, wie eine unnötige Qual vorkommen. Doch so ungewöhnlich ist das Fasten für den Körper gar nicht. „Genau genommen fasten wir täglich, nämlich nachts, wenn wir schlafen“, sagt Jana Hösel. „Der englische Ausdruck für Frühstück heißt nicht umsonst ‚breakfast’.“ Nach ein paar Tagen fühlt man sich leichtvoller Energie. Fasten reinigt den Körper und die Seele. Man fühlt sich wie neu geboren.“

Ein angenehmer Nebeneffekt ist der Gewichtsverlust. Abnehmen sollte aber nicht der eigentlich Sinn und Zweck des Fastens sein. „Aber es kann ein Einsteig sein und Impulse für Veränderungen und neue Gewohnheiten geben.“

Wer gesund ist, kann bedenkenlos fasten. Wer unter Diabetes, Bluthochdruck oder anderen Krankheiten wie beispielsweise Adipositas leidet, sollte sich dagegen erst mit seinem Arzt absprechen. Fasten soll schließlich wohltun, nicht schaden.

Carmen Brückner

Schlüsselwörter: Ernährung & Diäten, Prävention