Operative Behandlung

Eine Adipositas- oder bariatrische Operation ist eine Therapieoption für Patienten, die in konservativen (nicht-operativen) Behandlungsprogrammen keinen ausreichenden Gewichtsverlust erzielen konnten. Das Universitätsklinikum Leipzig ist zertifiziertes Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie.

Am Universitätsklinikum Leipzig werden verschiedene Adipositas-Operationen durchgeführt. (Foto: IFB Adipositas)
Die Sektion Bariatrische Chirurgie am Universitätsklinikum Leipzig erhielt 2017 die Zertifizierung zum Referenzzentrum für Adipositaschirurgie. Dies bestätigt die besondere Expertise und Behandlungsqualität des Zentrums.

Die Adipositas- oder Bariatrische Chirurgie am Universitätsklinikum Leipzig ist in ein breites Netzwerk von Ärzten und Therapeuten eingebunden, das für Patienten mit Adipositas eine optimale Beratung und Behandlung bietet. In enger Kooperation mit dem IFB werden sowohl konservative (nicht-operative) als auch chirurgische Behandlungsmöglichkeiten der Adipositas angeboten und von einem multidisziplinären Team aus Internisten, Chirurgen, Ernährungstherapeuten und Psychologen umgesetzt und wissenschaftlich begleitet.  Wenn bei einem Patienten alle Möglichkeiten der konservativen Behandlung ohne ausreichenden Erfolg ausgeschöpft wurden, bieten die Gastroenterologen und Chirurgen am Universitätsklinikum Leipzig ein breites Spektrum an endoskopischen und chirurgischen Verfahren zur Gewichtsreduktion an (siehe unten).

Das etablierte Vor- und Nachsorgekonzept wird von den Ärzten, Ernährungstherapeuten und Psychologen der IFB AdipositasAmbulanz angeboten und spielt eine zentrale Rolle in der langfristigen Betreuung der bariatrischen Patienten mit dem Ziel einer optimalen und anhaltenden Gewichtsabnahme. Die Vorbereitung auf einen bariatrischen Eingriff umfasst die Gutachten für den Kostenübernahmeantrag an die Krankenkasse, alle relevanten Voruntersuchungen sowie umfassende Informationen über den Eingriff und eine individuelle Ernährungsschulung. Nach dem operativen Eingriff werden die Patienten engmaschig in der IFB AdipositasAmbulanz nachbetreut (siehe auch 'Nachsorge').

Voraussetzungen für Eingriffe der Adipositas-Chirurgie

Für die Behandlung der Adipositas mit chirurgischen Verfahren gibt es in Deutschland die sogenannten S3-Leitlinien der Deutschen Adipositas Gesellschaft. Sie helfen bei der Entscheidung, ob eine solche Therapie notwendig und erfolgversprechend ist. Wenn bestimmte Kriterien bei einem Patienten vorliegen, die eine bariatrische Operation ratsam machen, sprechen Ärzte von einer Indikation zu einem solchen Eingriff. Gründe, die gegen eine Adipositas-Operation sprechen, werden Kontraindikation genannt:

Indikationen

  • BMI ≥40 kg/qm und Erschöpfung der konservativen Therapie
  • BMI zwischen 35 und 40 kg/qm und mit einer oder mehreren Adipositas-assoziierten Folge-/Begleiterkrankungen
  • Typ-2-Diabetes mellitus kann bereits bei einem BMI zwischen 30 und 35 kg/qm eine bariatrische Operation im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie erwogen werden. (link zu Studie Dietrich)

 Kontraindikationen

  • Instabile psychopathologische Zustände
  • aktive Alkohol- oder Drogenabhängigkeit
  • unbehandelte Essstörungen
  • Tumorerkrankungen

Operationsverfahren der Adipositas-Chirurgie

Die Art des bariatrischen Eingriffs hängt von der Schwere der Adipositas und den vorliegenden Begleiterkrankungen ab sowie von Essverhalten und Kooperation des individuellen Patienten. Die Gewichtsabnahme wird möglich, da durch die Operation die aufnehmbare Nahrungsmenge verkleinert wird (Restriktion) und / oder die Nährstoffaufnahme im Darm reduziert wird (Malabsorption). Folgende OP-Methoden werden am Universitätsklinikum Leipzig angeboten. Der Magenbypass wird am häufigsten angelegt, die nachfolgenden Operationen dann jeweils seltener. (Die Abbildungen verwendet das IFB mit freundlicher Genehmigung der Johnson & Johnson Medical GmbH, Ethicon-Endo Surgery.)

Roux-Y Magenbypass
Roux-Y Magenbypass (Grafik: Johnson & Johnson Medical GmbH, Ethicon-Endo Surgery)

Roux-Y Magenbypass

Dieses Verfahren gilt als Goldstandard in der bariatrischen Chirurgie. Es kombiniert Restriktion (Magenverkleinerung) mit Malabsorption (verminderte Nährstoffaufnahme). Es werden mindestens 2/3 des Magens entfernt und der verbleibende Magenpouch wird mit der ersten Dünndarmschlinge verbunden. Die Verdauungssäfte (Sekret der Bauchspeicheldrüse und Gallenflüssigkeit) werden in einen weiter unten liegenden Darmabschnitt geleitet, so dass für die Verdauung und Aufnahme der Nährstoffe weniger Zeit und weniger Oberfläche verbleibt. Dadurch sinkt die Nährstoffaufnahme und schnelles Abnehmen ist möglich. Die mittlere Gewichtsabnahme nach zwei Jahren beträgt ca. 50-75 Prozent des Übergewichts.

Schlauchmagen (Gastric Sleeve)
Schlauchmagen (Gastric Sleeve) (Grafik: Johnson & Johnson Medical GmbH, Ethicon-Endo Surgery)

Schlauchmagen (Gastric Sleeve)

Ein Teil des Magens wird entfernt, sodass nur ein schlauchförmiger kleiner Restmagen bleibt. Dadurch verringert sich zum einen das Magenvolumen auf ca. 120 ml (Restriktion), das heißt die aufnehmbare Nahrungsmenge wird verringert. Zum anderen befinden sich die Ghrelin-produzierenden Zellen im entfernten Teil des Magens, so dass das Hungergefühl verringert wird. (Das Hormon Ghrelin steigert das Hungergefühl.) Der Schlauchmagen kann je nach Patientensituation das OP-Verfahren der Wahl sein oder als erster Schritt für ein zweizeitiges Verfahren eingesetzt werden. Auf den Schlauchmagen kann also eine weitere Operation  folgen (siehe unten). Für Patienten, die unter einer Refluxerkrankung leiden, ist diese Schlauchmagen-OP nicht geeignet.

Omega Loop Bypass
Omega Loop Bypass (Minibypass) (Grafik: Dr. Tobias Meile, Tübingen)

Omega Loop Bypass oder Minibypass

Bei diesem Verfahren wird, ähnlich wie beim oben genannten Roux-Y Magenbypass, die Nahrungspassage durch den Zwölffinderdarm ausgeschaltet. Der Magen wird zu einem verkürzten Schlauchmagen verkleinert und dieser wird mit einer rund zwei Meter weiter unten liegenden Dünndarmschlinge seitlich verbunden. Diese Operation eignet sich besonders als zweiter Schritt nach der Anlage eines Schlauchmagens, wenn diese erste OP zu keinem ausreichenden Gewichtsverlust geführt hat oder es zu einem erneuten Gewichtsanstieg gekommen ist. Ein Problem bei diesem Verfahren ist ein möglicher Rückstau von Gallensäure, die normalerweise in den Zwölffingerdarm abläuft. Nach dem Eingriff ist auf regelmäßige Kontrollen der Vitaminspiegel und auf Vitamingaben zu achten.  (Diese Abbildung verwendet verwendet das IFB mit freundlicher Genehmigung von Dr. Tobias Meile, Tübingen.)

Biliopankreatische Diversion
Biliopankreatische Diversion (Grafik: Johnson & Johnson Medical GmbH, Ethicon-Endo Surgery)

Biliopankreatische Diversion (BPD)

Die biliopankreatische Diversion besteht aus einer Magenverkleinerung, sodass nur ein kleiner Restmagen bleibt (Pouchbildung), und der Abtrennung der ersten Hälfte des Dünndarms von der Passage der Verdauungssäfte. Es verbleiben ca. 100 cm Dünndarm, den Nahrungsbrei und Verdauungssekrete gemeinsam passieren. Dadurch kommt es zu einer verringerten Verdauung und Aufnahme der Nährstoffe (Restriktion und Malabsorption).

Duodenal Switch
Duodenal Switch (Grafik: Johnson & Johnson Medical GmbH, Ethicon-Endo Surgery)

Duodenal Switch

Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Verkleinerung des Magens (Schlauchmagen). Zusätzlich wird ein großer Teil des Dünndarms nicht mit Verdauungssäften versorgt und kann somit nicht zur Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen dienen (Restriktion und Malabsorption).

Magenschrittmacher
Magenschrittmacher (Grafik: IntraPace®, Inc.; abiliti)

Magenschrittmacher

Ein Magenschrittmacher mit eingebautem Mini-Computer ist eine neue elektronisch unterstützte Methode, die hilft dauerhaft abzunehmen. Das in einem minimal-invasiven chirurgischen Eingriff implantierte Gerät unterstützt die Gewichtsreduktion durch elektronische Impulse an den Magen, die zu einem schnelleren Sättigungsgefühl führen. Darüber hinaus dokumentiert das Gerät durch einen Sensor, wann und wie lange der Patient isst und trinkt. Ein Bewegungsmesser dokumentiert die Häufigkeit und Dauer der körperlichen Aktivität. Diese Informationen ermöglichen einen Einblick in die Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten des Patienten. Dies erleichtert es, ein Programm für eine dauerhafte Gewichtsreduktion zu entwickeln. Der Patient muss bei dieser OP-Methode stark mitarbeiten und eine hohe Motivation zeigen, um seinen Lebensstil aktiv zu verändern und dauerhaft abzunehmen bzw. das niedrigere Gewicht zu halten.

Magenband
Verstellbares Magenband (Grafik: Johnson & Johnson Medical GmbH, Ethicon-Endo Surgery)

Verstellbares Magenband

Das Universitätsklinikum Leipzig führt diesen Eingriff nicht durch, da es häufig zu Komplikationen bei diesem Verfahren kommt, z. B. dem Verrutschen oder dem Einwachsen des Magenbandes und der Therapieerfolg im Langzeitverlauf nicht überzeugend ist.

In verschiedenen Kliniken wird die Magenband-Operation dennoch angeboten. Das Magenband wird um den oberen Teil des Magens gelegt und die Weite so eingestellt, so dass ein Vormagen (Magenpouch) von 15 bis 20 ml Fassungsvermögen entsteht. Durch diese Restriktion ist die Menge, die der Patient noch essen kann, stark verkleinert. Das Gesamtmagenvolumen und der Bereich des Magens, in dem das Appetit-steigernde Hormon Ghrelin produziert wird (Ghrelinzentrum), bleiben bei diesem Eingriff unberührt.

Weitere Informationen zu den bariatrischen Operationsverfahren bietet die Webseite des Universitätsklinikums Leipzig.

Endoskopische Behandlungsverfahren

In bestimmten Fällen kann auch eine Adipositastherapie durch einen Magenballon oder einen Darmschlauch erfolgen. Beides wird über ein Endoskop, also einen flexiblen Schlauch, der bei Spiegelungen der Verdauungsorgane verwendet wird, im Magen bzw. Darm platziert. Die oben genannten Indikationen und Kontraindikationen gelten nur für die chirurgischen nicht für die endoskopischen Verfahren.

Magenballon
Magenballon (Grafik: Johnson & Johnson Medical GmbH, Ethicon-Endo Surgery)

Magenballon

Das Einsetzen eines Magenballons ist ein endoskopisches Verfahren. Im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) wird unter Gabe von Beruhigungsmitteln ein spezieller Ballon in den Magen eingeführt und mit ca. 500 ml Wasser gefüllt. So ist der größte Teil des Magens ausgefüllt und der Patient spürt deutlich schneller und länger ein Sättigungsgefühl. Die Nahrungsmenge, die er zu sich nehmen kann, ist kleiner (Restriktion). Der Magenballon muss nach spätestens sechs Monaten wieder entfernt werden.

Darmschlauch EndoBarrier
Darmschlauch - EndoBarrier (Foto: GID-Germany GmbH)

Darmschlauch (EndoBarrier TM)

Der EndoBarrier wird mittels eines flexiblen schlauchartigen Geräts, einem Endoskop, durch den Mund im obersten Abschnitt des Dünndarms platziert. Hierfür ist eine Narkose erforderlich, aber es gibt keine OP-Schnitte und keine chirurgischen Veränderungen am Verdauungsapparat wie oben beschrieben. Deshalb entfallen auch die körperlichen Belastungen, die durch einen chirurgischen Eingriff entstehen. Der obere Teil des Darms wird durch den EndoBarrier Darmschlauch ausgekleidet. Die dadurch entstehende Barriere zwischen Nahrung und Darmwand führt dazu, dass in diesem Bereich keine Nährstoffe aufgenommen werden. Die Verdauungssäfte können erst in einem späteren und insgesamt kürzeren Darmabschnitt aktiv werden, sodass insgesamt weniger Nährstoffe aufgenommen werden. Außerdem kann der EndoBarrier Appetit-anregende Hormone zügeln und so zusätzlich zur Gewichtsabnahme beitragen. Der EndoBarrier kann maximal ein Jahr im Darm verbleiben. Die Gewichtsabnahme durch diese Methode kann auch vorbereitend für einen operativen Eingriff verwendet werden. Der EndoBarrier wird hauptsächlich bei adipösen Patienten mit einem Typ-2-Diabetes eingesetzt.